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Überprüfung

Jeder Webauftritt sollte Standardanforderungen zur Barrierefreiheit erfüllen. Der Bund hat die für seine Webauftritte geltenden Standards in der Barrierefreien Informationstechnik-Verordnung (BITV) § 3 Anzuwendende Standards beschrieben. Es stehen verschiedene Hilfsmittel und Prüfverfahren zur Verfügung, mit denen festgestellt werden kann, ob diese Anforderungen erfüllt sind oder nicht.

Für einzelne Aspekte zur Barrierefreiheit stehen insbesondere für Webanwendungen verschiedene Test- und Korrekturwerkzeuge zur Verfügung.

Testempfehlungen

Um einen kompletten Webauftritt hinsichtlich der BITV-Anforderungen zu überprüfen, sehen Testempfehlungen verschiedene Möglichkeiten vor:

  • Vorprüfung: Überprüfung eines Webangebots mit einer kleinen Auswahl der BITV-Anforderungen
  • BITV-Kurztest: Überprüfung eines Webangebots mit allen Anforderungen der BITV-Prioritätsstufe I
  • Hauptprüfung: Überprüfung eines Webangebots mit allen BITV-Anforderungen

Testmethoden

Die WCAG 2.0-Erfolgskriterien, auf welchen die BITV 2.0-Bedingungen basieren, wurden als testbare Anweisungen formuliert, die nicht technik-spezifisch sind. Für jede Bedingung gibt es damit formale Kriterien, die erfüllt sind oder nicht.

Eine Methode zur Überprüfung solcher formaler Kriterien ist allgemein eine "heuristische Evaluation" (beschrieben unter anderem in: How to Conduct a Heuristic Evaluation). Bei einer "heuristischen Evaluation" überprüfen Experten anhand einer "Liste von Heuristiken" ob Probleme beziehungsweise Barrieren vorliegen. Diese Liste mit anerkannten Prinzipien ("Heuristiken") entspricht im Fall der Überprüfung eines Webangebots im Wesentlichen einer Zusammenstellung von eindeutigen Testanweisungen für jedes formale Kriterium zu jeder einzelnen BITV-Bedingung. Sind neben einer Liste mit Testanweisungen auch Priorisierungen bestimmter Probleme oder Problemklassifikationen beschrieben und Gesamtaussagen möglich, spricht man auch von einem "heuristischen Testverfahren".

Heuristische Testverfahren mit Experten sind kostengünstig, unaufwendig und können zu jedem Zeitpunkt der Entwicklung eines Webangebotes durchgeführt werden. Es können sowohl erste Prototypen als auch fertige Produkte überprüft werden. Heuristische Evaluation hat aber auch Nachteile. Expertenverfahren liefern lediglich regelbasierte Hinweise zur Barrierefreiheit. Erfahrungsbasierte Hinweise auf Probleme zur Benutzerfreundlichkeit (auch: "Usability" oder "Gebrauchstauglichkeit") fehlen meist. Barrierefreiheit und Benutzerfreundlichkeit sind zwei verschiedene Bereiche. Einige grundlegende Regeln gelten für beide Bereiche. Dennoch ist es möglich, dass eine Webseite zwar keine formalen Mängel der Barrierefreiheit aufweist, aber dennoch sehr benutzerunfreundlich ist. Umgekehrt kann eine benutzerfreundliche Webseite sehr viele formale Mängel der Barrierefreiheit aufweisen.

Usability mit Menschen mit Behinderung testen kann daher eine sinnvolle Ergänzung zu eher formalen Tests sein. Allerdings sind Nutzertests kein Ersatz für standardisierte heuristische Testverfahren, da kaum alle Rahmenbedingungen erfüllt werden können. Würden nur Nutzertests mit Menschen mit Behinderung durchgeführt, müsste beachtet werden, dass:

  • Menschen mit (allen) unterschiedlichen Behinderungen berücksichtigt und in die Tests einbezogen werden
  • Personen mit unterschiedlichen Vorkenntnissen hinsichtlich Internet- und Computernutzung berücksichtigt und in die Tests einbezogen werden
  • eine ausreichende Anzahl von Nutzerinnen und Nutzern befragt werden
  • eine oder mehrere der Fragestellung entsprechende geeignete Methode ausgewählt wird
    (eine Methoden-Auswahl ist unter anderem beschrieben in: Usability-Test - 16 Methoden zur Messung der Usability).

Testverfahren

BITV-Test

Ein Verfahren zur Überprüfung der Barrierefreiheit von Webangeboten mit allen Anforderungen der BITV-Prioritätsstufe I ist der BITV-Test. Dieses Testverfahren wurde in dem vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderten Projekt "Barrierefrei informieren und kommunizieren (BIK)" entwickelt.

Der BITV-Test umfasst insgesamt 50 Prüfschritte, die sich den 39 BITV-Bedingungen der Prioritätsstrufe I zuordnen lassen. Für einige komplexere der 39 Bedingungen gemäß Prioritätsstufe I gibt es mehrere Prüfschritte. Prüfschrittbeschreibungen enthalten Angaben dazu, was in dem jeweiligen Prüfschritt überprüft werden soll, warum dies wichtig ist und wie bei der Prüfung vorzugehen ist. Neben diesen eher technischen Angaben zur Prüfung beinhaltet das BITV-Testverfahren eine Bewertung der Prüfschritte. Die einzelnen Prüfschritte werden hierbei unterschiedlich gewichtet. Über ein Punktesystem können maximal 100 Punkte erreicht werden. Ab 90 Punkten wird ein Webauftritt als "gut zugänglich" bewertet, ab 95 Punkten als "sehr gut zugänglich". Mit der Prüfung kann eine unabhängige Prüfstelle beauftragt werden, es ist auch möglich über ein Webformular eine Selbstbewertung durchzuführen. Grundkenntnisse in HTML sind zwar von Vorteil, aber nicht zwingend notwendig. Die Prüfschrittbeschreibungen enthalten ausführliche Anweisungen.

BaNu

Eine Selbstbewertung ist ebenfalls mit dem vom Bundesverwaltungsamt zur Verfügung gestellten Hilfsmittel "BaNu (Barrieren finden, Nutzbarkeit sichern)" möglich. BaNu führt die Qualitätskriterien für Barrierefreiheit aus dem BITV-Test mit weiteren Anforderungen zur Nutzungsfreundlichkeit zusammen. Berücksichtigt wurden verschiedene Standards aus den Themengebieten E-Government-Angebote, Qualitätssicherung, Nutzungsfreundlichkeit und Barrierefreiheit. Mit BaNu ist eine Selbstanalyse von Internetangeboten, PDF- und Office-Dokumenten sowie Client-Anwendungen möglich. BaNu wurde speziell als Werkzeug für Behörden unter dem Aspekt der Selbstanalyse entwickelt: Die Bewertung soll nicht durch Experten durchgeführt werden, sondern durch die fachlichen Mitarbeiter selbst.

sonstige Testverfahren

Ein Verfahren zur Überprüfung von Webinhalten gemäß den "Richtlinien für barrierefreie Webinhalte (Web Content Accessibility Guidelines (WCAG 2.0))" befindet sich noch in Entwicklung. Hierzu wurde die "WCAG 2.0 Evaluation Methodology Task Force (Eval TF)" gegründet.

Einen ausführlichen Überblick bezüglich verschiedener Testverfahren zur barrierefreien Informationstechnik allgemein erhalten Sie im Artikel "Barrierefreie Software".

Testwerkzeuge

Zur Überprüfung der BITV-Bedingungen stehen verschiedene Testwerkzeuge zur Verfügung. Für eine Selbstbewertung mit dem BITV-Test oder mit BaNu sollten die für das jeweilige Testverfahren benötigten Testwerkzeuge installiert werden:

Automatische, halbautomatische und manuelle Prüfung

Für einige Bedingungen wie zum Beispiel für 4.1.1 Syntaxanalyse stehen automatische Prüf- und Checktools zur Verfügung. So kann mit dem "W3C-Validator" überprüft werden, ob die Auszeichnungssprache einer Webseite korrekt gemäß ihrer Spezifikation verwendet wurde. Mit dem "WDG-Validator" können gleich mehrere (bis zu 100) Webseiten eines Webauftritts überprüft werden. Der "eAccessibility Checker" aus dem norwegischen Projekt "eGovMon" überprüft für eine Webseite nicht nur die BITV-Bedingung "4.1.1 Syntaxanalyse", sondern gleich 9 der 38 Erfolgskriterien der Richtlinien für barrierefreie Webinhalte (Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.0) gemäß Level A und AA beziehungsweise der BITV-Prioritätsstufe I.

Nicht alle BITV-Bedingungen können automatisch überprüft werden. Bei einigen Bedingungen der BITV muss etwas beurteilt oder eingeschätzt werden, wie zum Beispiel für alle Bedingungen der Anforderung 1.3: Inhalte sind so zu gestalten, dass sie ohne Informations- oder Strukturverlust in unterschiedlicher Weise präsentiert werden können. Für diese Anforderung muss eingeschätzt werden, ob Informationen und Beziehungen vollständig verfügbar sind, ob die korrekte Lesereihenfolge durch Programme erkennbar ist und ob Anweisungen zum Verständnis und zur Nutzung des Inhalts sich nicht ausschließlich auf sensorische Merkmale der Elemente stützen. Solche Bedingungen müssen manuell überprüft werden. Hierbei können halbautomatische Prüfwerkzeuge allenfalls Hinweise liefern. So weisen die Barrierefreiheitsprüfungen in Office-Dokumenten und die "vollständige Prüfung" in Adobe Acrobat Pro unter anderem bei Vorliegen einer Tabelle oder frei flotierender Textfelder darauf hin, dass die Lesereihenfolge möglicherweise nicht korrekt ist. Ein Prüfwerkzeug für Webinhalte, welches auf Punkte spezialisiert ist, die eine Beurteilung bei der Prüfung erfordern, ist "Web Accessibility Evaluation Tool (WAVE)". WAVE ist ein Online-Programm zur Überprüfung von Internetseiten, welches das Ergebnis graphisch aufbereitet darstellt. Dabei werden verschiedenfarbige Symbole für einzelne HTML-Elemente in die Webseite eingeblendet.

Bildschirmfoto einer Webseite mit einer Imagemap und Optionsfeldern ohne Label, die durch das Tool WAVE graphisch aufbereitet worden ist Bildschirmfoto einer Webseite mit einer Imagemap und Optionsfeldern ohne Label, die durch das Tool WAVE graphisch aufbereitet worden ist

Bildschirmfoto einer Webseite mit einer verlinkten Graphik, die durch das Tool WAVE graphisch aufbereitet worden ist Bildschirmfoto einer Webseite mit einer verlinkten Graphik, die durch das Tool WAVE graphisch aufbereitet worden ist

Viele Content-Management-Systeme (CMS) bieten integrierte oder nachrüstbare Hilfen zur Überprüfung der Barrierefreiheit an. Der vom Bundesverwaltungsamt als zentrale Content-Management-Lösung für Webangebote der Bundesverwaltung entwickelte "Government Site Builder" (GSB) bietet Redakteuren mit dem BITV-Assistenten zusätzliche Unterstützung bei der Umsetzung der BITV an. Einige Prüfwerkzeuge sind bereits integriert, zum Beispiel eine Überprüfung der Auszeichnungssprache einer Webseite. Assistenten für Tabellen, Abkürzungen und weitere Funktionen helfen Redakteuren bei der Umsetzung barrierefreier Webinhalte.

In der alltäglichen redaktionellen Arbeit mit einem Content-Management-System müssen in der Regel viele BITV-Bedingungen nicht mehr überprüft werden. So ist zum Beispiel eine Änderung des Farbkontrastes von Schriftfarbe und Schrifthintergrundfarbe für Redakteure meist gar nicht mehr möglich, sondern wird vom verwendeten System vorgegeben. Umso wichtiger ist es alle durch ein System vorgegebenen Layout-spezifischen BITV-Bedingungen bereits in Konzeptions- und Entwicklungsphase zu beachten und zu überprüfen. Für unterschiedliche Entwicklungsphasen stehen verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung. Dies soll am Beispiel verschiedener Testwerkzeuge zu Farbkontrasten verdeutlicht werden.

  • Einfache manuelle Überprüfung von Farbkontrasten: Jederzeit auch von Nicht-Experten in eigenen Roh-Entwürfen und bei gelieferten Design-Entwürfen leicht einsetzbar ist eine manuelle Überprüfung der Kontraste mit dem "Colour Contrast Analyzer". Mit dem kostenlosen Programm können Kombinationen von Vorder- und Hintergrundfarben mit einer Pipette aus Bildschirmanwendungen ausgewählt oder als Hexadezimalwert eingegeben werden, um festzustellen, ob der Kontrast für kleine und große Schriften ausreichend ist.

Bildschirmfoto einer Kontrastprüfung mit Hilfe des Farbkontrast-Analyszers Bildschirmfoto einer Kontrastprüfung mit Hilfe des Farbkontrast-Analyszers

  • Automatische Überprüfung von Farbkontrasten: Eher für Web-Entwickler und Experten geeignet ist die Kontrastprüfung mit "Juicy Studio". Dieses Werkzeug steht als Add-On für den Browser Mozilla Firefox zur Verfügung (Juicy Studio Accessibility Toolbar) und ist Bestandteil der "Web Accessibility Toolbar" für den MS Internet Explorer. Dieses Werkzeug überprüft Farbkontraste einer Webseite, indem die dieser Webseite zugrundeliegenden CSS-Anweisungen analysiert werden. Hierbei werden alle sich aus diesen Anweisungen ergebenden Farbkombinationen überprüft. Zu jeder dieser Farbkombinationen wird angegeben, ob der Kontrast für kleine und große Schriften ausreichend ist – unabhängig davon, ob diese Farbkombination überhaupt verwendet wird oder nicht.

Bildschirmfoto des Ergebnisses einer Farbkontrastüberprüfung mittels CSS-Analyse durch Juicy Studio Bildschirmfoto des Ergebnisses einer Farbkontrastüberprüfung mittels CSS-Analyse durch Juicy Studio

  • Manuelle Überprüfung von Farbkontrasten bei notwendigen Änderungen: Eher für Designer in der Entwicklungsphase eines Layouts geeignet sind Werkzeuge wie "Colour Contrast Check" und "ContrastA". Über Schieberegler beziehungsweise über Auswahl in einer Farbpalette können Farbtöne und Sättigungsgrad eingestellt und überprüft werden.

Bildschirmfoto einer Farbkontrastüberprüfung mit dem „Colour Contrast Check“ Bildschirmfoto einer Farbkontrastüberprüfung mit dem „Colour Contrast Check“

Bildschirmfoto einer Farbkontrastüberprüfung mit „ContrastA“ Bildschirmfoto einer Farbkontrastüberprüfung mit „ContrastA“

Korrekturwerkzeuge

Neben reinen Testwerkzeugen gibt es auch Hilfsmittel, welche automatisch oder halbautomatisch Webinhalte korrigieren. HTML TIDY ist ein kostenloses Werkzeug zum komfortablen Überprüfen und Reparieren von Fehlern im HTML-Quellcode. Es stehen verschiedene Versionen in unterschiedlichen Programmiersprachen zum Einbinden in eigene Content-Management-Systeme zur Verfügung. A-Prompt ist ein kostenfreies Programm zur Überprüfung und Korrektur von HTML-Dokumenten.

Filter- und Transformationswerkzeuge

Damit bei einer Überprüfung die Inhalte besser in Bezug auf Barrierefreiheit eingeschätzt werden können, verändern einige Werkzeuge die zu testenden Webinhalte durch einen automatischen Filter oder transformieren die Webinhalte auf eine bestimmte Art. Beispiele für solche Filter sind die Online-Dienste "Vischeck" und "Colorblind Web Page Filter". Andere Transformationswerkzeuge stellen zu prüfende Inhalte wie zum Beispiel Tabellen in linearisierter Form dar oder blenden Informationen über Strukturelemente in eine Webseite ein.

Bildschirmfoto einer Rot-Grün-Farbfehlsichtigkeit-Simulation mit Vischeck der Internetseite „einfach-teilhaben.de“ Bildschirmfoto einer Rot-Grün-Farbfehlsichtigkeit-Simulation mit Vischeck der Internetseite „einfach-teilhaben.de“

 

Bildschirmfoto: Ausschnitt einer Webseite im Opera-Browser nach Auswahl der Funktion „Struktur der Blockelemente“ anzeigen Bildschirmfoto: Ausschnitt einer Webseite im Opera-Browser nach Auswahl der Funktion „Struktur der Blockelemente“ anzeigen

Im Browser "Opera" sind unter dem Menüpunkt Ansicht unter dem Menüunterpunkt Seitendarstellung verschiedene Transfomationsfunktion integriert. Für andere Browser lassen sich diese Funktionen über Add-ons nachrüsten. Browser-Erweiterungen und Linksammlungen ermöglichen die einfache und schnelle Nutzung von unterschiedlichen Tools:

Bildschirmfoto der „Web Accessibility Toolbar“ mit den Verfügung stehenden Menüs Bildschirmfoto der „Web Accessibility Toolbar“ mit den Verfügung stehenden Menüs

Bildschirmfoto der „Web Developer“-Symbolleiste mit den Verfügung stehenden Menüs Bildschirmfoto der „Web Developer“-Symbolleiste mit den Verfügung stehenden Menüs

Testen mit Hilfsmitteln

In der BITV 2.0 wird gefordert:

"Prinzip 4: Robustheit - Inhalte müssen so robust sein, dass sie von möglichst allen Benutzeragenten, einschließlich assistiver Technologien, zuverlässig interpretiert werden können."

Dies bedeutet auch, dass Internetangebote mit unterschiedlichen Browsern und mit unterschiedlichen Hilfsmitteln funktionieren sollen. Wichtig ist, dass dabei nicht das Aussehen der Seite in den Browsern identisch sein muss, sondern nur die Funktionen und die Benutzung der Seiten sichergestellt sein müssen.

Wird die Funktionalität hinsichtlich Barrierefreiheit mit den Testverfahren BITV-Test oder BaNu überprüft, genügen jeweils zwei Browser-Varianten für den Test: eine Version des MS Internet Explorers und eine Version des Mozilla Firefox. Testen mit Hilfsmitteln ist danach nicht zwingend erforderlich. Zusätzliche Prüfungen mit anderen Browsern und Hilfsmitteln werden allerdings insbesondere für interaktive Angebote empfohlen.

Die Berücksichtigung älterer und anderer Browser und auch die Berücksichtigung bestimmter Hilfsmittel ergibt sich weder aus der BITV 2.0 noch aus den Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.0. Nähere Angaben ergeben sich allenfalls aus dem Konzept, dass genutzte Techniken "Barrierefreiheit unterstützend" sein sollen. Danach muss die Art und Weise, wie die Webinhaltstechniken genutzt werden, mit assistiven Technologien getestet sein und es müssen weit verbreitete Benutzeragenten oder Plug-Ins existieren, welche die verwendeten Webinhaltstechniken unterstützen.

In den "Techniques for WCAG 2.0" werden einige Techniken angegeben und empfohlen, mit welchen die Erfolgskriterien der WCAG 2.0 erfüllt werden können. Diese Liste der Techniken ist jedoch nicht erschöpfend. Webinhaltstechniken können teilweise auch auf andere standardkonforme Art und Weise genutzt werden, als in den "WCAG 2.0"-Techniken beschrieben. Eine Übersicht dazu, welche Art und Weise der Nutzung von Webinhaltstechniken mit welchen Hilfsmitteln getestet wurde, gibt es (bisher) nicht. Soll eine andere Art und Weise der Nutzung von Webinhaltstechniken als die in den "WCAG 2.0"-Techniken beschriebenen verwendet werden, müssen diese Umsetzungsmöglichkeiten mit Hilfsmitteln getestet werden.

Leider gibt es auch in den erklärenden Dokumenten zur WCAG 2.0 keine nähere Angabe dazu, was "weit verbreitet" hinsichtlich der Benutzeragenten genau bedeutet. Hier bleibt nur der Rückgriff auf Marktanalysen zu Browsern und Hilfsmitteln. Hierbei muss bedacht werden, dass aufgrund hoher Kosten für Hilfsmittel teilweise wesentlich ältere Versionen von Hilfsmitteln und Browsern im Einsatz sind, als in gegenwärtigen Marktanalysen angegeben. Im Styleguide der Bundesregierung angegebene Mindeststandards sehen ausdrücklich vor neben aktuellen Versionen von populären Browsern auch Browser mit geringerem Verbreitungsgrad zu berücksichtigen.

Es muss allerdings nicht jede Browser-Version mit jedem Hilfsmittel kombiniert getestet werden. Die Initiative "Einfach für Alle" schlug im Accessblog vom 8. Juli 2011 einen Mindestsatz an Kombinationen von Browsern und Hilfsmitteln für das Testen mit Hilfsmitteln vor. Dieser ist allerdings immer noch sehr umfangreich und eher für Experten in der Entwicklungsphase eines Internetangebotes angebracht.

© Bundesministerium für Arbeit und Soziales