Navigation und Service

Einfach teilhaben (Link zur Startseite)


Leichte Sprache

Begründung

Menschen mit einer geistigen Behinderung oder mit Lernschwierigkeiten haben häufig Probleme mit dem Verstehen längerer, komplexer Texte. Darum müssen die wichtigsten Informationen in einem Webauftritt auch in Leichter Sprache zur Verfügung gestellt werden.

Leichte Sprache bezeichnet eine besondere Fassung eines Textes, bei der bestimmte Regeln für Sprache und Präsentation eingehalten werden. Die sprachlichen Regeln legen Anforderungen an Wortwahl, Satzbau und Strukturierung der Themen eines Textes fest. Weitere Regeln beschreiben die Darstellung des Textes in Schrift und Formatierung sowie die Ergänzung durch Bilder. Ein Text in Leichter Sprache vermittelt die wesentlichen Aussagen. Um die Zusammenhänge anschaulich zu erklären, werden Beispiele verwendet und wenn möglich ein direkter Bezug zum Leser hergestellt, indem dieser persönlich angesprochen wird. Leichte Sprache wurde entwickelt, damit Menschen mit Lernschwierigkeiten und kognitiven Behinderungen die schriftlichen Informationen verstehen können.

Eine wichtige Voraussetzung für die Inklusion von Menschen mit Behinderung ist, dass die Informationen, die als Entscheidungsgrundlage für ein selbstbestimmtes Leben benötigt werden, in barrierefreier Form zur Verfügung stehen. Dazu gehört auch, dass die Informationen in Leichter Sprache zugänglich sind. Leichte Sprache kann dazu beitragen eine gleichberechtigte Teilhabe und unabhängige Lebensführung von Menschen mit Behinderungen zu erreichen, besonders bei Webseiten von Behörden, die über behindertenpolitische und sozialrechtliche Themen wie etwa Teilhabeleistungen informieren.

Informationen in Leichter Sprache sind auch nützlich für andere Menschen, die nicht so gut lesen können. Zum Beispiel für Menschen, die eine andere Muttersprache als Deutsch haben. Dazu zählen sowohl Menschen mit Migrationshintergrund als auch Menschen, die nicht die Lautsprache sondern Deutsche Gebärdensprache als Muttersprache haben.

Der Begriff Leichte Sprache darf nicht mit dem Begriff Einfache Sprache verwechselt werden. Die BITV 2.0 verwendet einfache Sprache zur Bezeichnung von Texten in verständlicher Alltagssprache, in denen die Zusammenhänge in einer angemessenen Sprache erklärt werden, so dass ein möglichst großer Teil der Leser den Inhalt verstehen kann.

Ziel der BITV ist es, Menschen mit einer geistigen Behinderung oder mit Lernschwierigkeiten den Zugang zu einem Webangebot zu erleichtern, indem die wichtigsten Informationen auch in Leichter Sprache angeboten werden.

Anleitung

Wo wird Leichte Sprache eingesetzt?

Es muss nicht der komplette Webauftritt in Leichte Sprache übersetzt werden. Stattdessen kommt es darauf an wichtige Information herauszugreifen, so dass diese für Menschen mit Lernschwierigkeiten zugänglich sind. Die BITV (Anlage 2, Teil 2) schreibt vor, welche Inhalte es auch in leichter Sprache geben muss:

  • Informationen über den Inhalt des Auftritts
  • Informationen zur Navigation
  • eine Erklärung, wie Bürgerinnen und Bürger mit der Behörde Kontakt aufnehmen können
  • Wenn es weitere Informationen in leichter Sprache gibt, sollte es Hinweise und Links dazu geben.

Bereits auf der Startseite des Auftritts muss gekennzeichnet sein, dass es Informationen in Leichter Sprache gibt und wo diese zu finden sind. Wenn es zu einem Thema Informationen in Leichter Sprache gibt, sollte dies auch auf der entsprechenden Seite gekennzeichnet und verlinkt werden.

Wie schreibt man in leichter Sprache?

Die Anforderungen der BITV 2.0 basieren auf Erfahrungen der Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e.V., des Büros für Leichte Sprache, Bremen, und des Netzwerks People First e.V. Anlage 2 Teil 2 der BITV 2.0 enthält die wichtigsten Regeln, die verschiedene Aspekte der Grammatik, des Inhalts sowie der Darstellung von Informationen in leichter Sprache beschreiben.

Wörter

"Abkürzungen sind zu vermeiden."

Ein Text mit unbekannten Abkürzungen ist schwer zu verstehen. Abkürzungen können auch dazu führen, dass der Lesefluss von Menschen, die Schwierigkeiten mit dem Lesen haben, gestört wird. Schreiben Sie deshalb auch gebräuchliche Abkürzungen immer aus: "zum Beispiel" statt "z.B.".

Die barrierefreie Darstellung von Abkürzungen auf Webseiten im Allgemeinen wird auch in Anforderung 3.1.4 Abkürzungen beschrieben.

"Begriffe sind durchgängig in gleicher Weise zu verwenden."

Verwenden Sie den gleichen Begriff, wenn die gleiche Sache gemeint ist. Statt nacheinander von "Hindernissen", "Barrieren" und "Hürden" zu sprechen, verwenden Sie jedes Mal das Wort "Hindernisse".

"Es sind kurze, gebräuchliche Begriffe und Redewendungen zu verwenden. Abstrakte Begriffe und Fremdwörter sind zu vermeiden oder mit Hilfe konkreter Beispiele zu erläutern. Zusammengesetzte Substantive sind durch Bindestrich zu trennen."

Es gibt verschieden Möglichkeiten komplizierte Formulierungen, abstrakte Begriffe und Redewendungen durch leichter verständliche Ausdrücke zu ersetzen.

  • Verwenden Sie Verben anstelle von Substantiven: "einen Beruf lernen" statt "Berufsausbildung".
  • So können Sie auch umständliche Formulierungen vermeiden: "aussuchen können, welchen Beruf man lernen möchte" statt "Berufsausbildung, die den Neigungen entspricht".
  • Komplizierte Ausdrücke lassen sich oft durch einfache Adjektive ersetzen: "ist sehr wichtig" statt "ist von zentraler Bedeutung".
  • Manchmal reicht es nicht einzelne Wörter zu verändern. Dann können Sie auch ganze Sätze neu formulieren und direkt erklären, was die Bedeutung für die angesprochene Zielgruppe ist: "außerhalb der Werkstatt arbeiten" statt "Arbeitsmarktchancen".
  • Ergänzen Sie den Text durch Beispiele, so dass sich die Leser die beschriebene Situation besser vorstellen können.

Sätze

"Verneinungen sowie Konjunktiv-, Passiv- und Genitiv-Konstruktionen sind zu vermeiden."

Die Regeln für Leichte Sprache schlagen Alternativen für diese Fälle vor:

  • Wenn Sie eine Möglichkeit ausdrücken wollen, verwenden Sie nicht den Konjunktiv, sondern das Wort "vielleicht".
  • Statt indirekter Rede mit Konjunktiv, verwenden Sie direkte Rede. Dann können die Leser leichter verstehen, was eine Person gesagt hat.
  • Statt Passiv-Konstruktionen benutzen Sie eine aktive Sprache. Dann können die Leser leichter verstehen, wer etwas getan hat.
  • Statt des Genitivs beschreiben Sie mit dem Wort "von", wem etwas gehört: "die Internet-Seiten vom Bundes-Umwelt-Ministerium" statt "die Internet-Seiten des Bundesumweltministeriums".

"Es sind kurze Sätze mit klarer Satzgliederung zu bilden."

Jeder Satz sollte nur einen Gedankengang enthalten. Dazu können Sie auch einen einfachen Nebensatz verwenden. Vermeiden Sie aber Verschachtelungen und eingeschobene Nebensätze. "Jeder Mensch soll sich aussuchen können, welchen Beruf er lernen möchte." statt "Jeder Mensch soll sich den Beruf, den er lernen möchte, aussuchen können."

Inhalt

"Die Leserinnen oder Leser sollten, soweit inhaltlich sinnvoll, persönlich angesprochen werden."

Wenn die Leser persönlich angesprochen werden, fällt es ihnen leichter einen direkten Bezug vom Text zu ihrer persönlichen Situation herzustellen. Zum Beispiel:
"Wenn Sie Fragen haben, können Sie auf das Wort Kontakt klicken.
Dann können Sie uns einfach eine Nachricht schicken."

"Inhalte sind durch Absätze und Überschriften logisch zu strukturieren."

"Wichtige Inhalte sind voranzustellen."

Eine klare Strukturierung und ein logischer Aufbau eines Textes sind für alle Leser hilfreich. Bei Texten in Leichter Sprache sollten Sie diese Anforderungen ebenfalls befolgen.

Formatierung

"Silbentrennung am Zeilenende ist zu vermeiden."

"Sonderzeichen und Einschübe in Klammern sind zu vermeiden."

"Aufzählungen mit mehr als drei Punkten sind durch Listen zu gliedern."

"Jeder Satz beginnt mit einer neuen Zeile."

"Anschriften sind nicht als Fließtext zu schreiben."

Um die Menschen mit Lernschwierigkeiten beim Lesen zusätzlich zu unterstützen, gibt es Regeln für die Formatierung von Texten in Leichter Sprache. Dabei ist es besonders wichtig, dass Zeilenumbrüche sinnvoll verwendet werden. Dinge, die zusammengehören, sollten möglichst ein einer Zeile stehen. Verwenden Sie Zeilenumbrüche auch zur klaren Strukturierung von Listen, Anschriften und zur Abgrenzung von Nebensätzen.

Darstellung

"Es sind klare Schriftarten mit deutlichem Kontrast und mit einer Schriftgröße von mindestens 1.2 em (120 Prozent) zu verwenden. Wichtige Informationen und Überschriften sind hervorzuheben. Es sind maximal zwei verschiedene Schriftarten zu verwenden."

"Texte werden linksbündig ausgerichtet. Der Hintergrund ist hell und einfarbig."

Die verwendete Schriftart sollte gut lesbar sein. Darum ist eine serifenlose Schrift im Allgemeinen besser geeignet als eine Schrift mit Serifen. Zur besseren Erkennbarkeit ist es sinnvoll, die Texte in Leichter Sprache mit größerer Schrift darzustellen.

Wenn Sie einzelne Wörter hervorheben möchten, verwenden Sie eine fette Schrift. Kursive Schriften haben eine schlechtere Lesbarkeit und sollten daher vermieden werden. Unterstreichungen werden im Internet zur Kennzeichnung von Links benutzt und sind deshalb nicht zur Hervorhebung wichtiger Informationen geeignet.

"Es sind aussagekräftige Symbole und Bilder zu verwenden."

Die Aussage eines Textes in Leichter Sprache sollte durch Bilder unterstützt werden. Achten Sie darauf, dass die Bilder den Inhalt des Textes gut darstellen. Zu viele Details auf einem Bild können verwirrend wirken. Achten Sie auch auf eine angemessene Größe und gute Qualität der Bilder.

"Tabellen sind übersichtlich zu gestalten."

Neben den technischen Anforderungen an die Barrierefreiheit von Datentabellen ist bei Tabellen, die auf Webseiten in Leichter Sprache verwendet werden, besonders auf die Übersichtlichkeit zu achten. Verwenden Sie nur einfache Tabellen. Verschachtelte Tabellen mit mehreren Überschriftenebenen oder zusammengefassten Zeilen- und Spaltengruppen sollen vermieden werden.

Bedenken Sie, dass Menschen mit Lernschwierigkeiten oft auch Probleme mit Zahlen und Mengenvorstellungen haben. Beschreiben Sie die wichtigsten Informationen aus der Tabelle darum in einigen einfachen Sätzen. Zum Beispiel:

Beispiel-Screenshot: Tabelle mit Daten und Jahreszahlen. Beispiel-Screenshot: Tabelle mit Daten und Jahreszahlen.

"Theodor Heuss war der erste Bundes-Präsident.
Er war 10 Jahre lang Bundes-Präsident.
Das war von 1949 bis 1959."

Texte in Leichter Sprache erstellen und überprüfen lassen

Die Erstellung von Texten in Leichter Sprache kann durch geschulte Redakteure erfolgen. Es ist aber auch möglich ein spezialisiertes Übersetzungsbüro damit zu beauftragen, das neben der Übertragung des Textes auch eine Überprüfung mit Menschen mit Lernschwierigkeiten durchführt. Eine solche Überprüfung ist wichtig um sicherzustellen, dass Menschen mit Lernschwierigkeiten die Informationen in Leichter Sprache gut verstehen können.

"Texte in Leichter Sprache können außerdem durch das europäische Logo für Leichte Sprache gekennzeichnet werden.

Europäisches Logo für Leichte Sprache Europäisches Logo für Leichte Sprache

Für die Verwendung dieses Logos gelten die Kriterien und Bedingungen von Inclusion Europe, dem europäischen Dachverband für Menschen mit geistiger Behinderung."

Die Bedingungen für die Verwendung des Logos von Inclusion Europe sind unter anderem, dass der Text von Menschen mit Lernschwierigkeiten geprüft wurde und dass die Namen der Prüfer im Text genannt werden.

Eine weitere Möglichkeit die Verständlichkeit eines Textes zu beurteilen bieten Lesbarkeitsformeln. Anhand der Länge und Komplexität von Wörtern und Sätzen wird ein Indexwert berechnet, der als Anhaltspunkt für die Lesbarkeit dient. Allerdings ist zu beachten, dass hierbei nur formale Eigenschaften wie etwa Satzlänge und Wortlänge berücksichtigt werden. Die inhaltliche Seite (Bedeutung von Wörtern, logischer Zusammenhang, klare Strukturierung der Gedanken) kann nicht überprüft werden. Einige besondere Eigenschaften von Leichter Sprache lassen sich ebenfalls nicht durch diesen Ansatz erfassen, wie folgendes Beispiel zeigt: Die Verwendung von Pronomen kann Personen mit Lernschwierigkeiten verwirren, wenn der Bezug nicht klar ist. Ein Satz mit Pronomen jedoch wird von den gängigen Lesbarkeitsformeln besser bewertet. Das Wort "sie" hat nur eine Silbe, während der Ausdruck "die Ministerin" aus zwei Wörtern oder fünf Silben besteht.

Quellen und Hinweise:

Inclusion Europe Regeln:
Die in der BITV-Begründung angegebene URL für die Inclusion Europe Regeln existiert nicht mehr. Das Dokument ist im neuen Auftritt von Inclusion Europe nicht verfügbar.

Quellen und Hinweise

Beispiele

Sprachauswahl im Webangebot der Antidiskriminierungsstelle

Webangebot: Antidiskriminierungsstelle

Sprachauswahl im Angebot www.antidiskriminierungsstelle.de Sprachauswahl im Angebot www.antidiskriminierungsstelle.de

Auf allen Seiten befindet sich eine Sprachauswahl. Dort gibt kann die Version in Leichter Sprache ausgewählt werden. Außerdem gibt es Verweise auf die Versionen in Gebärdensprache und in verschiedenen Fremdsprachen. Die Auswahl führt zu einer Übersichtsseite aller in leichter Sprache verfügbaren Beiträge, unabhängig davon auf welcher Seite sich die Nutzerinnen und Nutzer gerade befinden.

Artikel in Alltagssprache und Leichter Sprache im Portal "Einfach Teilhaben"

Webangebot: Portal "Einfach Teilhaben"

Um die besonderen Eigenschaften eines Textes in Leichter Sprache zu zeigen, werden hier beispielhaft zwei Artikel aus dem Portal "Einfach Teilhaben" gegenübergestellt.

Berufsausbildung

Die berufliche Bildung ist für die Beschäftigungs- und Arbeitsmarktchancen von zentraler Bedeutung. Behinderte und nicht behinderte Menschen brauchen deshalb eine Berufsausbildung, die ihren Fähigkeiten und Neigungen entspricht.

einfach-teilhaben.de: Artikel "Berufsausbildung" in Alltagssprache

Berufs-Ausbildung

Jeder Mensch soll einen Beruf lernen können. Ob er behindert ist, oder ob er nicht behindert ist.

Zum Beispiel:

  • Gruppe von Menschen mit und ohne Behinderungen

    Gärtner oder Gärtnerin
  • Bäcker oder Bäckerin
  • Büro-Helfer oder Büro-Helferin

Ein Mann sitzt am Schreib-Tisch mit Computer und vielen Akten-Ordnern.

Das bedeutet:
Jeder Mensch soll eine Berufs-Ausbildung machen können.

Wenn er das schafft.
Für Menschen mit Behinderung ist das sehr wichtig.
Genau wie für Menschen ohne Behinderung.

Menschen mit Behinderung können mit einer guten Ausbildung
auch außerhalb einer Werkstatt arbeiten.

Zum Beispiel:

  • Last-Wagen vor einer Fabrik. Menschen arbeiten.

    In einer Gärtnerei.
  • In einer Bäckerei.
  • Bei einer Firma im Büro.


Jeder Mensch soll sich aussuchen können,
welchen Beruf er lernen möchte

einfach-teilhaben.de: Artikel "Berufs-Ausbildung" in Leichter Sprache

BITV 1.0 zu BITV 2.0

Die BITV 1.0 enthält keine Anforderungen zu Leichter Sprache. Die entsprechenden Inhalte für den Webauftritt müssen beim Wechsel zu BITV 2.0 neu erstellt werden.

© Bundesministerium für Arbeit und Soziales