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Anleitung

Die Anforderung 3.1 der BITV 2.0

"Texte sind lesbar und verständlich zu gestalten."

besteht aus sechs Bedingungen. Sprachangaben werden zur Erfüllung der BITV 2.0 Priorität I benötigt. Die übrigen Bedingungen gehören zur Priorität II.

Diese Anleitung beschreibt, wie Sie wichtige Zusatzinformationen zu den Texten einer Webseite angeben. Diese Zusatzinformationen werden von technischen Hilfsmitteln wie etwa Screenreadern genutzt, damit die Texte verständlich wiedergegeben werden können. Außerdem erhalten Sie Hinweise, mit welchen Techniken die Verständlichkeit und Lesbarkeit von Webseiten verbessert werden kann.

Die Sprache eines Textes festlegen

Geben Sie die Sprache einer Webseite an, damit ein Screenreader die richtige synthetische Stimme für die Sprachausgabe wählen kann. Die Sprache der Webseite wird im html-Element angeben. Bei HTML wird dafür das lang-Attribut verwendet.

<html lang="de">

XHTML 1.1 benutzt das xml:lang-Attribut. In XHTML 1.0 werden aus Kompatibilitätsgründen beide Attribute unterstützt.

<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml" 
      xml:lang="de" lang="de">

Für die deutsche Sprache wird die Sprachangabe de verwendet. Bei Sprachen, die in mehreren Ländern gesprochen werden, kann die Sprachangabe um einen Regionencode ergänzt werden. So unterscheidet man zum Beispiel britisches Englisch en-GB von amerikanischem Englisch en-US. Im Allgemeinen wird die Standardsprache eines Webauftritts im Content-Management-System festgelegt, so dass Änderungen nur erforderlich sind, wenn ein Artikel in einer anderen Sprache geschrieben ist.

Geben Sie Sprachwechsel an, wenn im Text einer Webseite einzelne Wörter oder Sätze in einer anderen Sprache vorkommen. Hierzu wird ebenfalls das lang- beziehungsweise das xml:lang-Attribut verwendet. Diese Attribute können bei allen HTML-Elementen verwendet werden. Die Sprachangabe gilt auch für alle weiteren Elemente, die in dem ausgezeichneten Element enthalten sind.

<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml" 
      xml:lang="de" lang="de">
  (...)
  <p>In der englischen Version fordert die WCAG 2.0: 
     <span xml:lang="en" lang="en">
        Make text content readable and understandable.
     </span> Das bedeutet (...)
  </p>
  (...)
</html>

Wenn die Webseite einen ganzen Satz oder Abschnitt in einer anderen Sprache enthält, müssen Sie diesen entsprechend kennzeichnen. Bei einzelnen fremdsprachigen Wörtern gelten folgende Regeln:

  1. Einzelne Wörter, Eigennamen und Fachbegriffe in einer anderen Sprache sollten grundsätzlich gekennzeichnet werden.
  2. Fremdsprachige Wörter, die in den allgemeinen Sprachgebrauch aufgenommen wurden (wie etwa "Computer" oder "Airbag"), müssen nicht gekennzeichnet werden.
  3. Anglizismen und andere Wörter, die keine echten fremdsprachigen Wörter sind, sollten ebenfalls nicht gekennzeichnet werden.

Bei Wechsel der Sprache entsteht beim Screenreader eine Vorlesepause. Häufige Sprachwechsel führen zu stockendem Vorlesen und damit zu schlechterer Verständlichkeit. Bedenken Sie auch, dass Anglizismen und fremdsprachige Ausdrücke die Verständlichkeit eines Textes verschlechtern. Versuchen Sie deshalb, die Ausdrücke durch entsprechende deutsche Begriffe zu ersetzen, sofern dies möglich ist.

Quellen und Hinweise:

Ungebräuchliche Wörter erklären

Erklären Sie ungebräuchliche Wörter und Ausdrücke – vor allem solche, die wichtig zum Verständnis des Themas sind. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten. Erklären Sie ein Wort direkt im Text an der Stelle, wo es zum ersten Mal verwendet wird. Diese Möglichkeit lässt sich auf jeder Webseite anwenden. Es ist keine technische Anpassung des Webauftritts nötig.

Der BITV-Test ist ein Prüfverfahren für die umfassende und 
zuverlässige Prüfung der Barrierefreiheit von Webangeboten. 

Diese Methode eignet sich vor allem, wenn ein Ausdruck nur auf einer Webseite vorkommt. Oder wenn der Ausdruck in einem speziellen Zusammenhang verwendet wird und an anderer Stelle im Webangebot eine andere Bedeutung hat.

Als weitere Möglichkeit bietet sich an, wichtige Ausdrücke in einem Glossar oder eine Definitionsliste zu erklären. Diese Methode eignet sich besonders für Ausdrücke, die an vielen Stellen im Webangebot vorkommen. Sie hat den Vorteil, dass die Erklärung des Ausdrucks nur einmal geschrieben und aktuell gehalten werden muss. Es kann von allen Seiten des Webangebots darauf zurückgegriffen werden.

Die Benutzer können selbst entscheiden, ob sie die Erklärung benötigen und diese bei Bedarf aufrufen. Das ist auch deshalb ein Vorteil, weil bei der Benutzung von Webangeboten meistens keine lineare Abfolge vorgegeben ist, so dass nicht eindeutig bestimmt werden kann, wo ein Ausdruck zum ersten Mal verwendet wurde. Wenn Sie ein Glossar anbieten wollen, müssen im Webauftritt einige technische Anpassungen vorgenommen werden.

Der ungebräuchliche Ausdruck, der erklärt werden soll, verweist mit einem speziellen Link auf einen Glossareintrag. Durch die Darstellung des Links (visuelle Darstellung und title-Attribut, können die Benutzer erkennen, dass eine Erklärung des Ausdrucks vorhanden ist.

<a href="..." rel="glossar" onclick="..." title="Glossareintrag">
  Barrierefreiheit
</a> 

Achten Sie bei der technischen Umsetzung auch darauf, dass die Benutzer nach dem Lesen des Glossareintrags ohne Probleme zu der Stelle zurückkehren können, von der aus der Glossareintrag aufgerufen wurde.

Abkürzungen erklären und kennzeichnen

Auch die Bedeutung von Abkürzungen ist nicht allen Benutzern einer Webseite bekannt. Schreiben Sie deshalb eine Abkürzung beim ersten Auftreten aus, und geben Sie die abgekürzte Schreibweise in Klammern dahinter an.

In der Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik 
nach dem Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) (Barrierefreie 
Informationstechnik-Verordnung, BITV) werden die für die
Bundesverwaltung einzuhaltenden Voraussetzungen für Angebote
im Internet festgeschrieben.

(Quelle: http://www.bmas.de/DE/Service/Gesetze/bitv.html)

Alternativ können Sie die Abkürzungen auch in einem separaten Abkürzungsverzeichnis oder Glossar definieren. Die technische Umsetzung ist hierbei dieselbe, wie bei einem Glossar für ungebräuchliche Wörter.

Ein Glossar ist vor allem für solche Abkürzungen sinnvoll, die an mehreren Stellen im Webauftritt vorkommen und immer die gleiche Bedeutung haben. Es hat außerdem den Vorteil, dass Sie neben der ausgeschriebenen Form der Abkürzung auch noch zusätzliche Erklärungen angeben können.

Eine weitere Möglichkeit Abkürzungen zu kennzeichnen bieten die HTML-Elemente abbr und acronym. Zeichnen Sie die Abkürzung mit dem abbr-Element aus, und geben Sie die ausgeschriebene Form im title-Element an.

 <abbr title="Behindertengleichstellungsgesetz">BGG</abbr>

Die Elemente abbr und acronym haben auch eine wichtige Funktion für blinde Nutzer. Screenreader-Programme können so eingestellt werden, dass sie die ausgeschriebene Form anstelle der Abkürzung vorlesen. Dadurch wird der vorgelesene Text besser verständlich. Vor allem bei solchen Abkürzungen, die nur in der Schriftsprache verwendet werden.

z. B.

wird als "Zett-Punkt-Be-Punkt" vorgelesen.

<abbr title="zum Beispiel">z. B.</abbr>

wird als "zum Beispiel" vorgelesen.

Die Sprachwissenschaft unterscheidet unterschiedliche Typen von Abkürzungen, je nachdem ob sie mit oder ohne Punkte geschrieben werden, ob sie als Wort ausgesprochen oder buchstabiert werden, und ob sie sich aus Initialen, Anfangssilben oder mehreren Anfangsbuchstaben ergeben. Für die Auszeichnung in HTML spielt diese Unterscheidung keine Rolle. Die Elemente abbr und acronym werden von den Benutzeragenten gleich behandelt. Im Hinblick auf die Entwicklung von HTML5 wird empfohlen, nur noch das abbr-Element zu verwenden.

Ausnahmen und Spezialfälle

  1. Wenn ein Begriff im alltäglichen Sprachgebrauch nur in der abgekürzten Form verwendet wird, sollte die ausgeschriebene Form nicht angegeben werden. Etwa beim Wort "DVD", das eine Abkürzung für das englische digital versatile disc ist.
  2. Bei gebräuchlichen Abkürzungen wie "z. B.", "d. h." oder "Dr." ist es nicht nötig sie beim ersten Auftreten auszuschreiben.
  3. Bei Abkürzungen, die in der Kurzform deutsch ausgesprochen werden, in der ausgeschriebenen Form aber fremdsprachig sind, sollte die korrekte Sprachauszeichnung mit einem zusätzlichen span-Element eingefügt werden.
<abbr lang="en" title="Web Content Accessibility Guidelines">
   <span lang="de">WCAG</span>
</abbr>

Vorschau HTML 5

Im aktuellen Entwurf der HTML5-Spezifikation (W3C Working Draft 29 March 2012) wird das abbr-Element als einziges Element zur Auszeichnung von Abkürzungen aller Art festgelegt. Das acronym-Element wird von HTML 5 nicht mehr unterstützt.

Verständlich schreiben

An die Zielgruppe denken

"die klarste und einfachste Sprache zu verwenden, die angemessen ist."

Bedenken Sie, dass die Texte sich an Bürgerinnen und Bürger richten und nicht für ein Fachpublikum gedacht sind. Benutzen Sie Alltagssprache. Vermeiden Sie Fremdwörter, Fachbegriffe und komplizierte Formulierungen.

Geben Sie den Lesern so viele Informationen wie nötig. Die Leser sollten nicht durch lange und ausschweifende Texte gelangweilt werden. Aber auch nicht durch zu knappe Texte überfordert werden. Darum kann es sinnvoll sein, durch Verlinkungen zusätzliche Informationen anzubieten, welche die Leser nach Bedarf abfragen können.

Lern- und geistig behinderte Menschen können "normal verständliche" Texte oft nicht oder nur eingeschränkt verstehen. Für diese Zielgruppe sollten deshalb die wichtigesten Inhalte eines Webauftritts zusätzlich in Leichter Sprache angeboten werden.

Wortwahl und Satzbau

Es gibt viele Ratgeber und Handbücher über verständliches Schreiben. Die Verständlichkeit von Webangeboten ist für alle Nutzer wichtig und betrifft nicht nur Menschen mit Behinderungen. Als Überblick hier ein paar häufig genannte Regeln:

  • Vermeiden Sie Floskeln und Füllwörter.
  • Benutzen Sie eine aktive Ausdrucksweise. Verwenden Sie Verben statt Substantive.
  • Vermeiden Sie doppelte Verneinungen.
  • Verwenden Sie keine Komposita aus mehr als drei Teilen.
  • Vermeiden Sie Anglizismen und Neologismen.
  • Schreiben Sie kurze Sätze.
  • Verwenden Sie nicht zu viele Nebensätze.
  • Veranschaulichen Sie schwierige Sachverhalte durch Abbildungen, Beispiele und Analogien.
  • Beachten Sie, dass Redewendungen eine Barriere sein können für Menschen mit Lernschwierigkeiten und für Menschen, die nicht Deutsch als Muttersprache haben.

Strukturierung

Viele Nutzer lesen Texte auf Webseiten anders als einen gedruckten Text. Das hat mehrere Gründe. Manchen Menschen fällt das Lesen am Bildschirm schwerer als das Lesen auf Papier. Auf Webseiten gibt es mehr Ablenkungen, etwa durch die Gestaltung der Seite mit Bildern oder sich bewegenden Inhalten. Die Nutzer versuchen sich zuerst einen Überblick zu verschaffen, bevor Sie sich entscheiden, den Text oder einige Absätze des Textes zu lesen. Im Allgemeinen werden Webseiten oberflächlicher gelesen als gedruckte Texte.

Das sollten Sie bei der Erstellung von Texten für Webauftritte berücksichtigen.

  • Stellen Sie die wichtigen Informationen immer an den Anfang des Textes.
  • Manchen Sie kurze Absätze.
  • Heben Sie wichtige Punkte deutlich sichtbar hervor. Bedenken Sie, dass Unterstreichungen nur für Links verwendet werden sollten.
  • Zeichnen Sie Aufzählungen von drei oder mehre Elementen als Liste aus.

Eine klare Struktur hilft den Nutzern, sich einen Überblick über den Inhalt einer Webseite zu verschaffen. Bauen Sie den Text logisch auf, damit die Leser dem Gedankengang folgen können. Verwenden Sie Zwischenüberschriften. Damit die Leser verstehen, worum es in einem Abschnitt geht. Im Kapitel Orientierung innerhalb einer Internetseite finden Sie weitere Hinweise, wie Sie HTML zur Auszeichnung von Texten verwenden.

Nutzen Sie auch die Vorteile des Mediums Internet: Ergänzen Sie komplexe Informationen durch Audio- und Video-Inhalte, damit mehr Menschen sie verstehen können.

"Bei schwierigen Texten werden zusätzliche erklärende Inhalte oder grafische oder Audio-Präsentationen zur Verfügung gestellt."

Automatische Bewertung der Lesbarkeit

Die Lesbarkeitsforschung versucht, die Lesbarkeit eines Textes quantitativ zu erfassen. Anhand der Länge und Komplexität von Wörtern und Sätzen wird ein Indexwert berechnet, der als Anhaltspunkt für die Lesbarkeit dient. Alle Lesbarkeitsformeln basieren auf der Annahme, dass Texte mit kurzen und wenigen Wörtern verständlicher sind als Texte mit langen Sätzen und langen Wörtern. Für die deutsche Sprache wurden unter anderem die Wiener Sachtextformel und der für die angepasste Berechnung des Lesbarkeitsindex Flesch Reading Ease entwickelt. Auch Textverarbeitungsprogramme wie Microsoft Word oder OpenOffice.org/LibreOffice erlauben die Bestimmung von Wortanzahl und Anzahl der Zeichen pro Wort.

Allerdings ist zu beachten, dass hierbei nur formale Eigenschaften wie Satzlänge und Wortlänge berücksichtigt werden. Die inhaltliche Seite (Bedeutung von Wörtern, logischer Zusammenhang, klare Strukturierung der Gedanken) kann nicht überprüft werden. Lesbarkeitsformeln liefern also keinen "Beweis" für die Verständlichkeit eines Textes. Sie können jedoch ein nützliches Hilfsmittel sein, um schwer verständliche Textpassagen aufzuspüren.

Quellen und Hinweise

Es gibt viele Handbücher über verständliches Schreiben. Informationen über verständliche Verwaltungssprache finden Sie unter anderem in folgenden Broschüren und Webangeboten:

Lesbarkeitsformeln:

© Bundesministerium für Arbeit und Soziales, 2016