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Anfallauslösende Inhalte

Begründung

Unter den verschiedenen Formen von Epilepsien gibt es eine Gruppe von Reflexepilepsien, die durch bestimmte Reize ausgelöst werden. Bei Menschen, die für diese Form der Epilepsie anfällig sind, können Farb- oder Hell-dunkel-Wechsel einen Anfall auslösen. Bekannt ist, dass auch Fernsehbilder und Videospiele solche Anfälle auslösen können. Die Gefährlichkeit der Hell-dunkel-Wechsel ist abhängig von:

  • der Frequenz, bestimmte Frequenzen sind besonders gefährlich.
  • der Dauer, länger anhaltende Blitzfolgen sind gefährlicher.
  • der Größe der blitzenden Fläche, größere Flächen sind gefährlicher.
  • der Farbe, rot-gesättigte Blitze bergen die größte Gefahr.

In abgeschwächter Form kann eine solche Photosensibilität auch zu Kopfschmerzen und Übelkeit führen. Häufig treffen Reflexepilepsien Menschen ohne epileptische Vorgeschichte, so dass die Anfälligkeit häufig nicht bekannt ist.

Ziel der Bedingungen ist es, alle Arten von Blitzen zu vermeiden, die einen epileptischen Anfall auslösen könnten. Jede Nutzerin und jeder Nutzer soll auf alle Webseiten eines Webauftritts zugreifen können, ohne dass sie oder er Gefahr, läuft einen epileptischen Anfall zu bekommen. Die Techniken zu diesen Bedingungen legen zu diesem Zweck Grenzwerte für Frequenz, Dauer und Fläche fest.

Anleitung

Als Grenzwert für die Dauer und Frequenz der Blitze legt die BITV fest, dass keine Sequenzen mit mehr als 3 Blitzen innerhalb einer Sekunde vorkommen dürfen. Ein Blitz ist dabei ein Paar aus einem Hell-dunkel-Übergang und Dunkel-hell-Übergang oder ein Farbübergang, bei dem ein gesättigtes Rot beteiligt ist.

Folgende Hell-dunkel-Sequenz haben drei Blitze und sind demnach gerade noch erlaubt:

Dunkel - Hell - Dunkel - Hell - Dunkel - Hell - Dunkel

Hell - Dunkel - Hell - Dunkel - Hell - Dunkel - Hell

Würde die Sequenz wie unten innerhalb der gemessenen Sekunde mit einer zusätzlichen hellen Phase enden, würden schon 3,5 Blitze vorliegen und die BITV wäre nicht erfüllt.

Dunkel - Hell - Dunkel - Hell - Dunkel - Hell - Dunkel - Hell

Im Glossar der BITV 2.0 existiert eine Berechnungsgrundlage auf Basis der relativen Luminanz, mit der bestimmt werden kann, ob ein Dunkel-hell-Übergang ein Blitz ist oder nicht. Auf die genaue Berechnung soll an dieser Stelle nicht eingegangen werden. Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Inhalt ein mehrfaches Blitzen beinhaltet, vermeiden Sie den Inhalt, auch wenn der Inhalt bei genauer Betrachtung vielleicht unter die Grenzwerte fallen würde.

Für Webseiten die der Priorität II der BITV 2.0 unterliegen ist jegliche oben beschriebene Blitzsequenz nicht erlaubt. Die Größe der blitzenden Fläche ist hierbei nicht relevant. Bei Webseiten, die lediglich der Priorität I unterliegen, erlaubt die BITV Ausnahmen, wenn die Fläche eine bestimmte Größe nicht überschreitet. Der Grenzwert ist dabei "25 % eines beliebigen 10-Grad-Sichtfeldes". Die Fläche auf dem Bildschirm ergibt sich dabei aus dem Abstand des Betrachters vom Bildschirm, der Bildschirmdiagonale und der verwendeten Bildschirmauflösung und kann nur im konkreten Einzelfall genau bestimmt werden. Im Glossar der BITV 2.0 wird deshalb ein Rechteck von 341 mal 256 Pixel anhand von Durchschnittswerten als Grenzwert abgeschätzt.

Wenn Sie also nicht darauf verzichten können, einen blitzenden Inhalt anzubieten und die Webseite nur der Priorität I der BITV unterliegt, muss die blitzende Fläche kleiner als 341 x 256 Pixel sein. Haben Sie zum Beispiel einen Video-Inhalt, den Sie unbedingt einbinden müssen und in diesem Video kommen flackernde Szenen vor oder entsprechend schnelle Filmschnitte, achten Sie darauf, dass der Player den Film nicht größer als 341 x 256 Pixel zeigt. Unterbinden Sie auch den Vollbildmodus des Players.

Wenn Sie eine Warnung vor Inhalten verwenden möchten, können Sie das tun, aber dies entbindet Sie nicht von der Pflicht, blitzende Inhalte zu vermeiden oder unter den geforderten Grenzwerten zu bleiben. Eine Warnung funktioniert aus Erfahrung häufig nicht, sie kann verpasst oder überlesen werden. Insbesondere kann Kindern die Warnung entgehen, weil sie noch nicht lesen können oder die Warnung nicht verstehen.

Beispiele

Filme

Filme sind typische Beispiele, bei denen blitzende Inhalte vorkommen können.

  • Blitzsequenzen in der Handlung, zum Beispiel: mehrfache Explosionen, Kamerafahrten durch eine Allee, Stroboskoplicht in Diskotheken.
  • Flackern, das durch sehr schnelle Filmschnitte erzeugt wird, zum Beispiel in Musikvideos.
  • Animiertes Flackern in Zeichentrickfilmen.

Der bekannteste Fall, bei denen die Auswirkungen von Anfall auslösenden Inhalten der Öffentlichkeit bewusst wurde, ereignete sich 1997 in Japan. In einer Folge einer landesweit ausgestrahlten Zeichentrickserie wurde eine Explosion durch ein großflächiges, vier Sekunden langes, schnelles Flackern zwischen Rot und Blau dargestellt. Die Szene löste bei vielen Zuschauern Kopfschmerzen und Übelkeit aus, mehr als 600 Kinder wurden nach Anfallserscheinungen in Krankenhäuser eingeliefert. Bei den meisten der Kinder waren vorher nie epileptische Anfälle aufgetreten. Die Folge der Zeichentrickserie wurde danach nie wieder von einem Fernsehsender ausgestrahlt.

blitzende Fläche

Folgende Bildschirmdarstellung zeigt ein Rechteck mit einer Fläche von 341 x 256 Pixeln auf einem Bildschirm mit einer Auflösung von 1024 x 768 Pixeln.

Beispiel: Eine Fläche von 341 x 256 Pixeln auf einem Bildschirm mit einer Auflösung von 1024 x 768 Pixeln Beispiel: Eine Fläche von 341 x 256 Pixeln auf einem Bildschirm mit einer Auflösung von 1024 x 768 Pixeln

Eine blitzende Fläche darf auf Webseiten, die der Priorität I unterliegen, nie größer sein. Da dieser Grenzwert nur eine Abschätzung aufgrund von Durchschnittswerten ist, sollten Sie blitzende Inhalte besser ganz vermeiden oder Sie bleiben bei den Abmessungen wesentlich unter den Grenzwerten.

BITV 1.0 zu BITV 2.0

Die BITV von 2002 war beim Schutz vor einem Anfall auslösenden Inhalt restriktiver als die BITV 2.0. Nach der alten BITV war jeglicher flackernder Inhalt nicht erlaubt. Unter Flackern fiel alles, was im Frequenzbereich von 3 bis 50 Hertz lag, unabhängig von Größe oder Helligkeitsunterschied. Die BITV 2.0 lässt in der Priorität I weitgehende Ausnahmen zu, solange die Fläche bestimmte Maße nicht überschreitet. Zudem werden Grenzen definiert, die bestimmen, wie viel Helligkeits- oder Farbunterschied vorhanden sein muss, damit ein Flackern auch als Blitz gilt.

Demnach sollte jede Webseite, die der BITV von 2002 genügt auch der BITV 2.0 genügen. Die BITV erweitert zusätzlich Ihre Möglichkeiten, unter bestimmten Voraussetzungen, blitzende Inhalte zu verwenden.

© Bundesministerium für Arbeit und Soziales