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Alternativen für synchronisierte Medien

Begründung

Synchronisierte Medien sind Video- und Audio-Inhalte, deren Information entweder miteinander oder mit Nutzeraktionen synchronisiert sind. Bei der Einstufung ist nicht die technische Synchronisation ausschlaggebend, sondern die inhaltliche. Folgende Beispiele sollen die Einstufungen erläutern.

  • Eine Fernsehreportage mit Video- und Tonspur: Nur durch die gleichzeitige Wahrnehmung von Bild und Ton kann die Information vollständig erfasst werden. Es handelt sich um ein synchronisiertes Medium.
  • Eine Video-Dokumentation mit einer gleichmäßigen Hintergrundmusik: Die Musik unterstützt zwar die Stimmung des Videos, aber Sie baut weder gezielt Spannung zu ausgewählten Szenen auf, noch hat die Musik andere zeitliche Anknüpfungspunkte zum Inhalt des Videos. Video und Musik sind kein synchronisiertes Medium.
  • Eine politische Diskussionsrunde mit mehreren Akteuren als Video- und Tonspur: Die Hauptinformationen — die einzelnen politischen Standpunkte werden von der Audiospur wiedergegeben. Die Sprecher können allerdings nur durch das Video identifiziert und unterschieden werden. Es handelt sich um ein synchronisiertes Medium.
  • Eine Multimedia-Anwendung zum Erlernen komplexer Softwareprodukte: Tonspuren leiten die Nutzerin oder den Nutzer Schritt für Schritt an, das Programm zu bedienen. Jeder neue Anleitungsschritt wird durch die erfolgreiche Durchführung des vorherigen Bedienschritts ausgelöst. Es handelt sich um ein synchronisiertes Medium.

Wenn der synchronisierte Medien Medien-Inhalt selbst schon eine Alternative bzw. eine Alternativversion für ein anderes Format ist, zum Beispiel für einen Text, dann gilt der Medien-Inhalt nicht als synchronisiertes Medium im Sinne der BITV.

Grundsätzlich ist der Nutzen von synchronisierten Medien auf Webseiten positiv zu werten. Video- und Audio-Inhalte fördern das Verständnis von Webinhalten und steigern die Aufmerksamkeit bei kognitiven Problemen. Barrieren entstehen allerdings für gehörlose und hörbehinderte Menschen sowie für blinde und sehbehinderte Menschen. Auch den Menschen, die aus einem anderen Grund die Audio-Informationen nicht verstehen oder die Video-Informationen nicht erkennen können, bleiben Informationen verborgen. Diese anderen Gründe können unter anderem sein:

  • Die Nutzerin oder der Nutzer befindet sich in einer lauten Umgebung.
  • Der Computer ist nicht mit einem Lautsprechersystem ausgestattet.
  • Das Video-Format ist auf dem Computer nicht abspielbar.
  • Der Internettarif erlaubt aus Kapazitäts- oder Kostengründen das Abspielen nicht.

Die BITV sieht vor, dass jede Information des Audio-Inhalts auch als Untertitel und jede Information des Video-Inhalts als Audio-Deskription angeboten werden muss. Diese beiden hochwertigen Alternativen sind für alle Webseiten verpflichtend. Für Webseiten der Priorität II sind zusätzlich noch Volltext-Alternative und Gebärdensprachvideo verbindlich.

Ziel der BITV-Bedingungen ist es, Menschen mit Behinderung gleichwertige Informationen bereitzustellen. Dabei soll gewährleistet sein, dass nicht nur Volltext-Alternativen angeboten werden, sondern dass Menschen mit Behinderungen ebenfalls Zugang zu hochwertigen Medienformaten bekommen.

Anleitung

Die BITV fordert in Anforderung 1.2 die Erfüllung verschiedener Bedingungen, je nachdem welche Eigenschaften ein Medien-Inhalt hat. Für aufgezeichnete Inhalte gelten strengere Vorschriften als für live übertragene Inhalte. Bei einem synchronisierten Video/Audio-Inhalt benötigen beide Inhalte eine gleichwertige Alternative. Je nach Priorität der Webseite kann diese Alternative durch unterschiedliche Techniken angeboten werden.

Eine Übersicht über die verschiedenen Arten von Multimedia-Inhalten und die jeweils zu erfüllenden BITV-Bedingungen finden Sie in dieser "Tabelle zur Bestimmung der zu erfüllenden BITV-Bedingungen für Audio- und Video-Inhalte".

Text-Alternative

Grundsätzlich müssen für jeden Medien-Inhalt zwei Arten von Alternativen unterschieden werden. Eine einfache Text-Alternative dient zur Benennung und Identifikation des Inhalts, eine gleichwertige Alternative gibt die eigentliche Information des Inhalts wieder. Gemäß der BITV-Bedingung 1.1.1 "Nicht-Text-Inhalte" muss die einfache Alternative noch nicht gleichwertig sein. Wie die einfache Text-Alternative angegeben wird, hängt von der Art der Einbindung des Medien-Inhalts ab.

Wird ein Medien-Inhalt durch einen einfachen Hyperlink eingebunden, dann gilt der Linktext als Text-Alternative.

<h3>Die Kanzlerin direkt - Videopodcast der Bundeskanzlerin</h3>
<p>
   <a href="videopodcast42.mp4">
      Video: "Mehr Integration von Menschen 
      mit Behinderungen" zum Runterladen.
   </a>
</p> 

Wird der Medien-Inhalt mittels eines Players und dem object-Element eingebunden, ist die durch Software bestimmbare Text-Alternative der Inhalt des object-Elements. Im Code-Beispiel unten wäre die Alternative demnach das p-Element mit dem Text: "Video: Mehr Integration von Menschen mit Behinderungen".

<h3>Die Kanzlerin direkt - Videopodcast der Bundeskanzlerin</h3>
<object data="flashplayer.swf" type="application/x-shockwave-flash">
   <param name="flashvars" value="file=videopodcast42.mp4" />
   ...
   <p>
      Video: "Mehr Integration von Menschen mit Behinderungen".
   </p>
</object>

Die Text-Abschnitte "Mehr Integration von Menschen ..." genügen hier als einfache Text-Alternative. Der Medien-Inhalt ist identifizierbar und der Inhalt wurde kurz beschrieben.

Gleichwertige Alternativen

Die oben beschriebene einfache Text-Alternative ist noch keine inhaltliche Alternative zum Video für blinde und sehbehinderte Menschen oder zur Audio-Spur für taube und hörgeschädigte Menschen gemäß der BITV-Anforderung 1.2. Die BITV fordert zusätzlich inhaltlich gleichwertige Alternativen.

Durch die Zusammenfassung der WCAG-Konformitätsstufen A und AA zur BITV-Priorität I überschneiden sich die Bedingungen und die anzuwendenden Techniken teilweise, und die in der WCAG vorhandenen Wahlmöglichkeiten bestehen in der BITV nicht mehr. Folgende Liste gibt vor, welche gleichwertige Alternative Sie in welchen Fällen anbieten müssen.

  • Aufgezeichneter synchronisierter Medien-Inhalt

    • Priorität I

      • Audio-Anteil: Sie müssen im Video erweiterte Untertitel anbieten.
      • Video-Anteil: Sie müssen eine Audiodeskription des Videos anbieten.
    • Priorität II

      • Audio-Anteil: Sie müssen zusätzlich Gebärdensprache und eine Volltext-Alternative anbieten.
      • Video-Anteil: Sie müssen zusätzlich eine erweiterte Audiodeskription und eine Volltext-Alternative anbieten.
  • Live übertragener Medien-Inhalt

    • Priorität I

      • Audio-Anteil: Sie müssen im Video erweiterte Untertitel anbieten.

Hinweis: Die BITV-Bedingung 1.2.9 fordert eine Textalternative mit gleichwertigen Informationen für "Audio-Inhalte". Dem Wortlaut nach würde dies auch für die Audio-Inhalte in synchronisierten Medien gelten und müsste in der obigen Liste aufgeführt werden. Wir interpretieren die Bedingung an dieser Stelle aber im Sinne der WCAG, die ausdrücklich die Bedingung auf "reine Audio-Inhalte" einschränkt.

Anmerkung: Für die Video-Inhalte in live übertragenen synchronisierten Medien existiert in der BITV keine Bedingung zum Anbieten einer gleichwertigen Alternative.

Für Videos in synchronisierten Medien lässt die BITV in der Bedingung 1.2.3 die Option offen, eine Volltextalternative anstelle der Audiodeskription anzubieten. Durch die Zusammenfügung der WCAG Konformitätsstufen A und AA gilt in der BITV Priorität I aber auch die BITV-Bedingung 1.2.5 und somit ist das Anbieten einer Audiodeskription grundsätzlich Pflicht.

Das Anbieten einer Volltextalternative kann allerdings für viele Menschen mit Behinderung die bessere Alternative sein. Sie sollten deshalb prüfen, ob es für Sie nicht trotzdem Sinn machen könnte, freiwillig auch für Webseiten der Priorität I Volltextalternativen anzubieten.

Erweiterte Untertitel

Erweiterte Untertitel müssen für alle Audio-Inhalte in synchronisierten Medien bereitgestellt werden. Die Untertitel müssen dabei nicht nur die Dialoge und Audiokommentare wiedergeben, sondern auch alle relevanten Hintergrundgeräusche. Die Untertitel sollen eine vollständige Alternative zu allen akustischen Informationen des Media-Inhalts sein.

Um die Untertitel in das Video einzubinden, stehen Ihnen zwei technische Verfahren zur Verfügung:

  • Offene Untertitel ("open captions")
  • Geschlossene Untertitel ("closed captions")

Offene Untertitel sind immer sichtbare Untertitel, die Bestandteil des Videos sind. Die Untertitel wurden bereits bei der Produktion des Videos in das Videosignal codiert.

Geschlossene Untertitel sind Untertitel, die von der Abspielsoftware ein und ausgeblendet werden können. Prinzipiell hat die Nutzerin oder der Nutzer die Kontrolle über die Anzeige der Untertitel und kann Schriftarten, Größe und Farben selbst bestimmen. Die Untertitel liegen entweder als eigenständige Datei vor oder sie werden in das Media-Format als Textspur eingebunden. Zurzeit werden je nach Abspielsoftware und Media-Format unterschiedliche Untertitelformate unterstützt.

Media-Formate und Abspielsoftware mit eingebetteten Untertitel sind unter anderem:

  • MP4

    mit "Embedded MP4 captions"

  • Apples Quicktime

    mit "Quicktime Text"

  • RealVideo

    mit "RealText"

  • Windows Media Player

    mit Synchronized Accessible Media Interchange (SAMI)

Mit der Synchronized Multimedia Integration Language (SMIL) — ein offizieller W3C-Standard — können beliebige Medien miteinander kombiniert werden. Auf diese Weise können Videos mit Untertiteln versehen werden. Bei Bedarf kann auch das Video angehalten werden, um mehr Zeit zur Anzeige der Untertitel zu haben. Aktuell unterstützt zum Beispiel der RealPlayer und Apples QuickTime den SMIL-Standard.

Viele der auf Webseiten verwendeten Flash-Video-Player, wie zum Beispiel der häufig genutzte JW Player oder der Flowplayer unterstützen, die Einbindung von Untertitel in folgenden Formaten:

  • SubRip-Format (SRT)
  • W3C TimedText (DFXP)

Bei diesen Formaten liegen die Untertitel als einfache Text-Datei vor und werden durch einen Parameter in der Videoeinbindung mit dem Video verbunden. Der tatsächliche Quellcode ist vom verwendetet Player abhängig und kann stark variieren, deshalb kann der unten stehende Code nur das Prinzip erläutern.

<object type="application/x-shockwave-flash" data="player.swf">
   . . .
   <param name="src" value="videopodcast42.flv"
   <param name="caption" value"videopodcast42.srt" />
   <p>
      Video: "Mehr Integration von Menschen mit Behinderungen". 
   </p>
</object>

Die Untertitel-Datei videopodcast42.srt im obigen Beispiel ist im SubRip-Format erfasst worden. Einen Ausschnitt einer solchen Datei sehen Sie unten.

1
00:00:09.239 --> 00:00:11.720
Regelmäßig treffe ich mich
mit den Vertretern des
 
2
00:00:11.720 --> 00:00:13.175
Deutschen Behindertenrates.
 
3
00:00:13.175 --> 00:00:15.575
Nächste Woche, am
Donnerstag, wird wieder ein
 
...

Alle Texte-Abschnitte sind in der Untertitel-Datei mit zwei Zeitstempeln versehen, die angeben, von wann bis wann der Text angezeigt werden soll. Nach demselben Prinzip sind auch die Dateien vom Typ TimedText aufgebaut, nur dass hier XML die Basis des Formats ist. Ein Vorteil ist, dass die TimedText Markup Language auch HTML-ähnliche Strukturen beinhaltet und die Untertitel dadurch mit semantischen Tags versehen werden können. Folgender Quellcode zeigt einen Ausschnitt aus einer TimedText-Datei

<p begin="00:00:09.239" id="p0" end="00:00:11.720">
   Regelmäßig treffe ich mich
   <br />mit den Vertretern des
</p>
<p begin="00:00:11.720" id="p1" end="00:00:13.175">
   Deutschen Behindertenrates.
</p>
<p begin="00:00:13.175" id="p2" end="00:00:15.575">
   Nächste Woche, am<br />
   Donnerstag, wird wieder ein
</p>

Untertitel-Dateien müssen nicht per Hand erstellt werden. Es gibt mehrere Programme und Online-Tools, die bei der Erstellung unterstützen und helfen. Zwei Beispiele:

  • Media Access Generator (MAGpie) ist ein Programm, das auf den Betriebssystemen Microsoft Windows und MacOS installiert werden kann.
  • Subtitle Horse ist ein Online-Tool, mit dem auf recht einfache Weise Untertitel erstellt werden können.

Die Abbildung zeigt einen Ausschnitt aus dem Online-Tool "Subtitle Horse". Auf der linken Seite wird das Video abgespielt. Auf der rechten Seite können die Untertitel bearbeitet werden.

Beispiel-Screenshot aus dem Online-Tool Subtitle Horse Beispiel-Screenshot aus dem Online-Tool Subtitle Horse

Ein ganz anderes Konzept verfolgt das Projekt "Universal Subtitles". Nach dem Prinzip des sogenannten Crowdsourcing wird versucht, durch die Internetgemeinschaft Untertitel für beliebige Videos auf freiwilliger Basis erstellen zu lassen. Einmal erstellte Untertitel werden dann wiederum von anderen Freiwilligen in verschiedene Sprachen übersetzt. Durch eine einfache Einbindung eines JavaScripts können die Untertitel auch für eigene eingebettete Videos verwendet werden. Leider hat das System noch einige Probleme, unter anderem bei der Bedienung durch die Tastatur, sodass die angebotenen Lösungen noch nicht vollständig barrierefrei im Sinne der BITV sind.

Audiodeskription

Eine Audiodeskription ist eine Audiospur, die alle visuellen Informationen des Media-Inhalts akustisch wiedergibt. Keine wesentliche Information des Videos darf verloren gehen. Bitte beachten Sie, dass neben der eigentlichen Handlung auch der Schauplatz der Handlung, das Aussehen der Personen, deren Verhalten und vieles andere zum Verständnis des Videos beitragen könnten und somit eventuell zu den wesentlichen Informationen des Videos gehören kann.

Texteinblendungen sind für blinde Menschen ebenfalls wichtig und sollten immer Teil der Audiodeskription sein. In vielen Filmbeiträgen kommen zum Beispiele Experten zu Wort. Name, Position und Qualifikation des Experten werden häufig nur eingeblendet. Solche Einblendungen sind wesentliche Informationen und sind in der Audiodeskription zu erläutern.

Die Sprecherinnen und die Sprecher sollten selbstverständlich klar und deutlich sprechen und es sollten keine Nebengeräusche zu hören sein. Wichtig ist auch, dass die Audiodeskription keine Dialoge oder wichtigen Geräusche der normalen Tonspur überlagert, die Beschreibungen dürfen also nur in den Sprechpausen stattfinden. Wenn die normale Tonspur bereits alle Informationen des Videos wiedergibt, ist keine weitere Audio-Deskription notwendig.

Da die Audiodeskription synchron zum Media-Inhalt ablaufen muss, muss die Audiodeskription und der Medien-Inhalt von der Abspielsoftware parallel gestartet werden. Ein Einbinden von 2 getrennten Dateien nur über Links, wie bei reinen Video-Inhalten, ist hier nicht möglich.

Viele neuere Flash-Video-Player erlauben es, zusätzliche Audiospuren zum Media-Inhalt anzugeben. Eine solche Spur kann dann als Audiodeskription verwendet werden. Die zusätzliche Tonspur wird als Parameter in den Quellcode eingebunden. Der tatsächliche Quellcode ist vom verwendetet Player abhängig und kann stark variieren, deshalb kann der unten stehende Code nur das Prinzip der Einbindung erläutern.

<object type="application/x-shockwave-flash" data="player.swf">
   . . .
   <param name="src" value="videopodcast42.flv"
   <param name="audiodescription" value"videopodcast42.mp3" />
   <p>
      Video: "Mehr Integration von Menschen mit Behinderungen".
   </p>
</object>

Eine ähnliche Unterscheidung, wie zwischen offenen und geschlossenen Untertiteln, kann auch bei Audiodeskriptionen gemacht werden. Das obige Beispiel überlässt es der Abspielsoftware die Audiodeskription abzuspielen. Die Nutzerin oder Nutzer kann das Abspielen dann zum Beispiel über eine Schaltfläche steuern. Denkbar wäre es aber auch, ein Video direkt mit einer Audiodeskription zu produzieren und dieses für alle oder als Alternativ-Version anzubieten.

Wenn Sie ein Video zum Download anbieten, sollten Sie die Audiodeskription als eigenständige Audio-Spur in das Video integrieren. Gängige Video-Container-Formate wie MP4 erlauben neben der Video-Spur auch mehrere Tonspuren, eine davon kann die Audiodeskription beinhalten. Die Integration einer Untertitel-Datei ist ebenfalls möglich. Der Nutzer oder die Nutzerin kann dann beim Abspielen im auf dem Computer installierten Abspielprogramm die gewünschten Tonspuren selbst wählen.

Erweiterte Audiodeskription

Eine erweiterte Audiodeskription wird erst für Webseiten, die der Priorität II unterliegen, gefordert. Einfache Audiodeskriptionen haben das Problem, dass sie keine Dialoge oder wichtigen Geräusche überlagern dürfen. Ist die Handlung der Video-Inhalte aber so komplex, dass eine Beschreibung nicht in eine Sprechpause passt, wäre dies ein Problem. Die einfache Audiodeskription müsste dann gekürzt und vereinfacht werden. Die Autoren müssen in diesen Fällen die Wichtigkeit der Informationen bewerten, was nicht immer einfach ist.

Bei einer erweiterten Audiodeskription hat die Autorin oder der Autor die Möglichkeit das Video kurzzeitig anzuhalten und so der Audiodeskription ausreichend Zeit zu geben. Leider sind echte erweiterte Audiodeskription zur Zeit nur im SMIL-Format möglich. Dessen Verbreitung und die Unterstützung des Formats durch die auf Webseiten häufig eingesetzten Flash-Video-Player ist allerdings noch nicht sehr groß. Eine pragmatische Lösung wäre es, die Videos bereits so zu produzieren, dass ausreichende große Lücken in den Tonspuren vorhanden sind, um die Audiodeskriptionen unterzubringen. Zur Not könnten die Sprechpausen in den Videos auch künstlich durch Standbilder verlängert werden.

Gebärdensprache

Für alle Audio-Inhalte in synchronisierten Medien auf Webseiten, die der Priorität II unterliegen, müssen Sie die Informationen des Audio-Inhalts als Video in Deutscher Gebärdensprache anbieten. Wie Sie Gebärdenvideos produzieren und welche technischen Voraussetzungen die Videos erfüllen müssen, wird im Kapitel Gebärden erläutert.

Die Einbindung des Gebärdenvideos auf Ihrer Webseite kann zurzeit nur als zusätzliches Video zum eigentlichen Media-Inhalt erfolgen. Alle anderen Einbindungen scheinen zurzeit noch nicht praktikabel zu sein:

  • Ein automatisches Einmischen des Gebärdenvideos in das Hauptvideo ist mit den Standard-Abspielprogrammen nicht möglich und würde, wenn es möglich wäre, relativ hohe Rechenleistung benötigen.
  • Soll das Gebärdenvideo bei der Videoproduktion bereits in das normale Videobild eingeblendet werden, muss das Gebärdenvideo trotzdem die Mindestmaße 320 mal 240 Pixel erreichen. Dies bedeutet, dass das eigentliche Videobild noch wesentlich größer sein müsste. Die Kapazität der meisten Internetverbindungen ist für solche Datenmengen nicht ausgelegt.

Volltext-Alternative

Eine Volltext-Alternative ist zwar als Option in der BITV-Bedingung 1.2.3 für Webseiten der Priorität I erwähnt, verpflichtend ist sie aber erst für alle synchronisierten Medien auf Webseiten der Priorität II. Wichtig ist, dass die Volltext-Alternative wirklich gleichwertig ist, dazu müssen sowohl die Video-Inhalte beschrieben werden als auch alle Audio-Inhalte wie Kommentare, Dialoge und relevante Geräusche. Die Volltext-Alternative darf keine Information, die in dem Video vorkommt, der Nutzerin oder dem Nutzer vorenthalten.

Die Volltext-Alternative kann entweder direkt auf derselben Webseite, auf der auch das Video eingebunden wurde, stehen oder Sie erstellen für die Text-Alternative eine zusätzliche Webseite.

Entscheiden Sie sich für die zusätzliche Webseite, müssen Sie in unmittelbarer Nähe zum Video auf diese Webseite verlinken. In beiden Fällen müssen Sie aber auch aus der einfachen "Text-Alternative" heraus, entweder auf die Volltext-Alternative verlinken oder auf diesen Bezug nehmen. Wird auf das Video lediglich verlinkt, reicht es, wenn sich der Link zur ausführlichen Text-Alternative im selben Link-Kontext, wie der Link zum Video befindet.

Nutzen Sie zum Beispiel einen einfachen Link, um auf den Medien-Inhalt zu verweisen, bietet es sich an, auch auf die Volltext-Alternative mit einem Link zu verweisen. Beide Links sollten dann in einem HTML-Abschnitt stehen.

<p>
   <a href="videopodcast42.mp4">
      Video: "Mehr Integration von Menschen mit Behinderungen".
   </a> 
   (<a href="videopodcast42-desc.html">
      Ausführliche Beschreibung zum Video
   </a>)
</p>

Beispiele

Media-Inhalt mit Untertitel

Folgende Abbildung zeigt die Einbindung einer Folge des Video-Podcasts "Die Kanzlerin direkt" auf dem Portal des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS). Durch eine Schaltfläche, die mit den Buchstaben "CC" (Closed Captions) beschriftet ist, können die Untertitel ein- oder ausgeblendet werden. Zusätzlich zu den Untertiteln wird die vollständige Rede der Kanzlerin auch als Volltext-Alternative unterhalb des Videos angeboten. Desweiteren werden noch, für den Fall, dass die Nutzerin oder der Nutzer eine externe Abspielsoftware verwenden muss oder möchte, zwei zusätzliche Video-Formate zum Download angeboten.

Beispiel-Screenshot: Video-Podcast „Die Kanzlerin direkt“ mit Untertitel Beispiel-Screenshot: Video-Podcast „Die Kanzlerin direkt“ mit Untertitel

Media-Inhalt mit Audiodeskription

Die folgende Abbildung zeigt ein Video mit Untertitel und Audiodeskription. Das Video ist ein Beispiel aus der Dokumentation des "JW Players" (Audio Description Reference Guide) und zeigt wie Audiodeskription und Untertitel in ein Video eingebunden werden können. Zwei Schaltflächen geben der Nutzerin oder dem Nutzer die Möglichkeit, die gewünschte Medienalternative auszuwählen.

Beispiel-Screenshot: Video mit Schaltflächen zum Einblenden und Abspielen von Untertiteln und Audiodeskription Beispiel-Screenshot: Video mit Schaltflächen zum Einblenden und Abspielen von Untertiteln und Audiodeskription

Viele moderne Video-Abspieler, wie der JW Player, werden mit einer Java-Script-Bibliothek ausgeliefert, die das Einbinden in den Quellcode erleichtert und das Ergebnis kompatible mit möglichst vielen Browsern macht. Der Code zur Einbindung des Videos sieht wie folgt aus:

<!-- Platzhalter für das Video -->
<div id='mediaplayer'>
   <a href="/upload/corrie.mp4">
      Ein Ausschnitt aus der TV-Serie 
      <span lang="en">Coronation Street</span>
      (MP4-Format, 0:45 Minuten)
   </a>
</div>
<!-- Script zum Einbinden -->
<script type="text/javascript">
   jwplayer("mediaplayer").setup({
      "flashplayer": "player.swf",
      "id": "playerID",
      "width": "480",
      "height": "300",
      "file": "/corrie.mp4",
      "image": "/corrie.jpg",
      "plugins": {
         "audiodescription-2": {
             "file": '/corrie-de.mp3'
         },
         "captions-2": {
             "file": "/corrie-de.srt"
         }
      }
   });
</script>

Das Video wird in diesem Beispiel als mp4-Video eingebunden, die Audiodeskription als mp3-Datei und die Untertitel als srt-Datei (SubRip-Format).

Erweiterte Audiodeskription

Das Institut für Medizinische Lehre der Universität Bern (Ufive Usability Gruppe) hat ein Video, über die Nutzung von Computer und Internet durch einen sehbehinderten und einen blinden Nutzer produziert. Das Video beinhaltet offene Untertitel sowie eine immer hörbare Audiodeskription. An den Stellen, an denen die Sprechpause im Video nicht ausreicht, um eine gleichwertige Audiobeschreibung abzuspielen, wurde der Film angehalten. Während der Film ein Standbild darstellt und die Audiodeskription abläuft, zeigen ein offener Untertitel und ein Fortschrittsbalken auch gehörlosen Menschen an, dass eine Audiodeskription vorgetragen wird.

Beispiel-Screenshot: Während eines Standbilds zeigt ein Untertitel das Abspielen einer erweiterten Audiodeskription an Beispiel-Screenshot: Während eines Standbilds zeigt ein Untertitel das Abspielen einer erweiterten Audiodeskription an

Durch die Verwendung der offenen Untertitel und der Audiodeskriptions war es in diesem Beispiel sogar möglich, das Video beim Video-Anbieter "YouTube" einzustellen.

Gebärdensprache

Die nächste Abbildung stellt eine Möglichkeit da, einen Medien-Inhalt und einen Gebärdenfilm gleichzeitig einzubinden. Der linke Videoabspieler enthält den Medien-Inhalt mit Video und Audio und auf der rechten Seite wird das Gebärdenvideo angezeigt.

Ausschnitt aus einer Webseite mit einem Media-Inhalt und einem Gebärdenvideo nebeneinander. Zentrale Schaltflächen steuern beide Videos. Ausschnitt aus einer Webseite mit einem Media-Inhalt und einem Gebärdenvideo nebeneinander. Zentrale Schaltflächen steuern beide Videos.

In diesem Beispiel wurde das HTML-5-Video-Element verwendet. Die Steuerung erfolgt synchron durch zusätzliche Schaltflächen, die über JavaScript-Funktionen die beiden Video-Abspieler steuern. Die perspektivische Anordnung wurde lediglich durch CSS3-Eigenschaften erzeugt und funktioniert nur in aktuellen Browsern.

Volltext-Alternative

Die folgende Abbildung zeigt die Einbindung einer Volltext-Alternative zu einem Video-Podcast aus der Reihe "Die Kanzlerin direkt" auf den Webseiten des Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS).

Beispiel-Screenshot: Während eines Standbilds zeigt ein Untertitel das Abspielen einer erweiterten Audiodeskription an Beispiel-Screenshot: Während eines Standbilds zeigt ein Untertitel das Abspielen einer erweiterten Audiodeskription an

Unterhalb der Steuerung zum Video-Inhalt wurde auf eine Textversion verlinkt. Die Textversion enthält den vollständigen Monolog der Kanzlerin zum Thema "Mehr Integration von Menschen mit Behinderungen". Anstelle einer zusätzlichen Datei hätte der vollständige Text hier auch als HTML-Code direkt in die Webseite integriert werden können. Beide Verfahren erfüllen die BITV.

BITV 1.0 zu BITV 2.0

In der BITV von 2002 wurden Audio-Inhalte und Video-Inhalte als Teil von synchronisierten Medien in den Bedingungen 1.1, 1.3 und 1.4 behandelt. Eine Webseite, die die BITV 1.0 vollständig erfüllt, müsste demnach für Media-Inhalte bereits äquivalente Text-Alternativen, Untertitel und Audiodeskriptionen bereithalten.

Stichproben und BITV-Tests der letzten Jahre zeigen, dass die wenigsten Medien-Inhalte über Text-Alternativen, Untertitel oder Audiodeskriptionen verfügen. Zur Erfüllung der BITV 2.0 sollten Sie deshalb alle Medien-Inhalte daraufhin überprüfen, ob Audiodeskriptionen oder Untertitel neu erstellt werden müssen. Zur Erfüllung der Priorität II müssen gegebenenfalls zusätzlich äquivalente Text-Alternativen erstellt werden.

BITV

Priorität I

BITV Bedingung 1.1.1 "Nicht-Text-Inhalte"

Für Experten (in Englisch):


Deutsche Übersetzungen:


BITV Bedingung 1.2.1 "Aufgezeichnete Audio- und Video-Dateien"

Für Experten (in Englisch):


Deutsche Übersetzungen:


BITV Bedingung 1.2.3 "Audio-Deskription oder Volltext-Alternative"

Für Experten (in Englisch):


Deutsche Übersetzungen:


BITV Bedingung 1.2.4 "Live-Untertitel"

Für Experten (in Englisch):


Deutsche Übersetzungen:


BITV Bedingung 1.2.6 "Gebärdensprache"

Für Experten (in Englisch):


Deutsche Übersetzungen:


Priorität II

BITV Bedingung 1.2.8 "Volltext-Alternative"

Für Experten (in Englisch):


Deutsche Übersetzungen:


BITV Bedingung 1.2.9 "Live-Audio-Inhalte"

Für Experten (in Englisch):


Deutsche Übersetzungen:

© Bundesministerium für Arbeit und Soziales