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Vergleich von BITV 2.0 und BITV 1.0

Die Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung (BITV) 2.0 unterscheidet sich im Aufbau und den zu Grunde liegenden Konzepten wesentlich von der Verordnung in der ersten Version von 2002 (im Folgenden kurz: BITV 1.0). Dies ist insbesondere eine Folge des Ansatzes alle Anforderungen und Bedingungen möglichst Technologie-unabhängig zu formulieren. Trotzdem muss ein bereits nach BITV 1.0 barrierefrei gestaltetes Angebot nicht unbedingt umfangreich überarbeitet werden, um die BITV 2.0 zu erfüllen.

Die Anforderungen und Bedingungen der BITV 2.0 sind so formuliert worden, dass eine bessere und objektivere Messbarkeit und Überprüfbarkeit der Kriterien sichergestellt ist. Kriterien, die nicht überprüfbar oder ungenau formuliert waren, sind entweder konkreter formuliert worden oder weggefallen.

Konformitätsmodell

Die Anforderungen und Bedingungen der BITV 2.0 sind in zwei Prioritätsstufen organisiert. Genauso wie bei der BITV 1.0 ist hier das internationale dreistufige Modell vereinfacht worden. Es gilt annähernd die folgende Äquivalenz:

WCAG 2.0 Stufe A, AA - BITV 2.0 Priorität I

WCAG 2.0 Stufe AAA - BITV 2.0 Priorität II

Das System konnte vereinfacht werden, da die Kriterien der ersten beiden Stufen A und AA, also Priorität I immer von allen Angeboten des Bundes erfüllt sein müssen. Die Anforderungen und Bedingungen der Priorität II müssen zusätzlich von zentralen Navigations- und Einstiegsangeboten erfüllt sein.

Die Prioritäten sind auf der Ebene der Bedingungen bzw. Erfolgskriterien definiert. Um BITV 2.0 Priorität I zu erreichen, müssen also alle Bedingungen, die der Priorität I zugeordnet sind erfüllt werden. Zusätzlich müssen die 12 Anforderungen grundsätzlich erfüllt sein, unabhängig davon welche Priorität erreicht werden soll.

Aufbau der Standards WCAG 2.0 und BITV 2.0 in Form eines Diagramms mit der Hervorhebung der Ebene der Bedingungen und Erfolgskriterien auf der die Prioritäten angewendet werden Aufbau der Standards WCAG 2.0 und BITV 2.0 in Form eines Diagramms mit der Hervorhebung der Ebene der Bedingungen und Erfolgskriterien auf der die Prioritäten angewendet werden

Anwendungen der Prioritäten in der BITV 2.0 (bzw. der Konformitätsstufen in den WCAG 2.0)

Auch wenn das Konformitätsmodell der BITV 2.0 formal genauso aussieht wie in der BITV 1.0 hat es hier einige Änderungen gegeben. Die Kriterien nach denen die Bedingungen den Prioritäten zugeordnet worden sind, haben sich in der internationalen Richtlinie verändert. Sie ist nicht ausschließlich aus Sicht der Nutzer erfolgt. Berücksichtigt worden ist zum Beispiel, ob es möglich ist, ein Kriterium für alle Webseiten oder Web-Inhalte zu erfüllen oder wie viel Wissen für die Umsetzung auf Seiten der Webdesignerinnen und Webdesigner erforderlich ist. Insgesamt ist also die Perspektive der Website-Anbieter stärker berücksichtigt worden. Um nicht unter den bereits durch die BITV 1.0 erreichten Stand der Barrierefreiheit zurückzufallen, ist daher an einer Stelle in der BITV 2.0 von den WCAG 2.0 abgewichen worden: Bedingung "2.4.8 Standort" ist in der BITV 2.0 der Priorität I zugeordnet, und nicht der Stufe AAA, wie in den WCAG 2.0. In einem Punkt fällt die BITV 2.0 trotzdem hinter die BITV 1.0 zurück: Bedingung "3.1.5 Einfache Sprache" ist nur noch Priorität II zugeordnet, dafür ist jedoch Anlage 2 Teil 2 zur "Leichten Sprache" neu hinzugekommen.

Sollte es aus bestimmten Gründen nicht möglich sein, eine Webseite oder einen Web-Inhalt so zu gestalten, dass dieser alle Bedingungen der angestrebten Priorität erfüllt, muss hierfür eine mit der entsprechenden Priorität konforme Alternative angeboten werden. Diese muss alle Bedingungen einer konformen Alternativversion erfüllen.

Die WCAG 2.0 sehen die Möglichkeit einer partiellen Konformität vor. Hierzu muss in einer Konformitätserklärung festgelegt werden, welche Teile des Angebots welche Konformitätsstufe, zum Beispiel A oder AA erfüllen. Diese Möglichkeit ist in der BITV 2.0 nicht vorgesehen, aber auch aufgrund des vereinfachten Konformitätsmodells, das immer mindestens die Einhaltung von Priorität I (also WCAG 2.0 'A' und 'AA') fordert nicht unbedingt notwendig.

Neue Anforderungen in BITV 2.0 gegenüber BITV 1.0

Um neue Themen und Web-Technologien im Umfeld des Web 2.0 zu berücksichtigen, sind einige neue Anforderungen hinzugekommen. Diese betreffen hauptsächlich die Interaktion in Web-Angeboten. Interaktion im Internet findet meist mit Hilfe von Formularen statt. Um die barrierefreie Gestaltung dieser Formulare sicherzustellen, ist eine neue Anforderung im Bereich der Verständlichkeit hinzugekommen:

"Anforderung 3.3: Zur Fehlervermeidung und -korrektur sind unterstützende Funktionen für die Eingabe bereitzustellen."

Die einzelnen Bedingungen regeln wie Fehler bei der Dateneingabe vermieden werden können, oder falls sie trotzdem geschehen, die Nutzerinnen und Nutzern optimal bei der Korrektur unterstützt werden können.

Auch im Bereich der Bedienbarkeit gibt es eine neue Anforderung um die Interaktion barrierefrei zu ermöglichen:

"Anforderung 2.2: Den Nutzerinnen und Nutzern ist ausreichend Zeit zu geben, um Inhalte zu lesen und zu verwenden."

Aufgrund der heute verbreitet verfügbaren Breitband-Verbindungen sind Videos inzwischen ein beliebter Web-Inhalt, der in zahlreichen Angeboten zu finden ist. Daher ist dieser Bereich ebenfalls in der BITV 2.0 in eine eigene Anforderung aufgenommen worden:

"Anforderung 1.2: Für zeitgesteuerte Medien sind Alternativen bereitzustellen."

Hier ist genau geregelt wie Live-Audio und -Video sowie aufgezeichnete Medien insbesondere für blinde Menschen und gehörlose Menschen barrierefrei gestaltet werden können.

Zusätzlich sind in bereits aus der BITV 1.0 bekannte Anforderungen neue Aspekte und häufig eingesetzte Web-Techniken aufgenommen worden. Zum Beispiel sind in Bedingung 1.1.1 Nicht-Text-Inhalt die häufig in Formularen gegen Werbung eingesetzten grafischen CAPTCHAs aufgenommen worden. Gibt es für diese grafische Variante keine Alternative z.B. in Form eines Audio-CAPTCHAs oder einer einfachen logischen Frage, stellt dies für blinde und sehbehinderte Menschen eine unüberwindbare Barriere dar. Auch die Anforderungen an häufig verwendete Dateiformate, wie das PDF-Format, sind in der neuen Verordnung aufgrund der Technologie-unabhängigen Formulierung besser geregelt.

Die meisten Bedingungen der BITV 1.0 lassen sich in der BITV 2.0 auf die Ebene der Technikdokumente (der WCAG 2.0) abbilden. Daher sind diese Punkte grundsätzlich weiterhin in der BITV 2.0 enthalten. Die neuen Formulierungen bieten aber meist mehr Gestaltungsfreiraum, da auch andere Web-Technologien eingesetzt werden können, um die Anforderungen und Bedingungen zu erfüllen. Die eingesetzten Technologien oder mit der Web-Technologie realisierten Funktionen müssen "Barrierefreiheit unterstützend" sein.

Leichte Sprache und Deutsche Gebärdensprache

In der BITV 1.0 waren die Anforderungen von gehörlosen und hörbehinderten Menschen nicht berücksichtigt. Menschen, die von Geburt an gehörlos sind, haben häufig die Gebärdensprache als Muttersprache. Dadurch kann für diese Personen das Verständnis von komplexen Texten eingeschränkt sein. Daher benötigt diese Zielgruppe Informationen in Deutscher Gebärdensprache.

Ebenfalls nur wenig in der BITV 1.0 berücksichtigt, waren die Anforderungen von Menschen mit Lernschwierigkeiten. Sie können Probleme haben, komplexe Texte, aber auch typische Webtexte zu verstehen. Um dieser Zielgruppe das Verständnis von Texten zu ermöglichen, müssen die Informationen in Leichter Sprache vorliegen.

Neu hinzugekommen sind daher in der BITV 2.0 die Anforderungen an Leichte Sprache und Deutsche Gebärdensprache. In "§ 3 Anzuwendende Standards", Absatz 2 der BITV 2.0 ist geregelt, welche Inhalte entsprechend angeboten werden müssen.

"§ 3 Anzuwendende Standards[...] (2) Auf der Startseite des Internet- oder Intranetangebotes (§ 1 Nummer 1 und 2) einer Behörde im Sinne des § 7 Absatz 1 Satz 1 des Behindertengleichstellungsgesetzes sind gemäß Anlage 2 folgende Erläuterungen in Deutscher Gebärdensprache und in Leichter Sprache bereitzustellen:

  1. Informationen zum Inhalt,
  2. Hinweise zur Navigation sowie
  3. Hinweise auf weitere in diesem Auftritt vorhandene Informationen in Deutscher Gebärdensprache oder in Leichter Sprache.[...]"



In Anlage 2 der BITV 2.0 werden Vorgaben für Gebärdensprachvideos und Hinweise für die Gestaltung von Texten in Leichter Sprache gegeben. Die Anforderungen sind in den folgenden Artikeln näher erläutert:

Die Anforderungen an Videos in Gebärdensprache orientieren sich an dem "Leitfaden für den Einsatz von Gebärdensprach-Filmen in multimedialen Anwendungen", der im Rahmen des Projekts "Aktionsbündnis für barrierefreie Informationstechnik (AbI)" entwickelt worden ist. Die Anforderungen an "Leichte Sprache" sind in Zusammenarbeit mit Mitgliedern des "Netzwerks Leichte Sprache" entstanden.

Web 2.0 Angebote und Barrierefreiheit

In Web-Angeboten werden häufig Web 2.0-Angebote genutzt, die von Dritten angeboten werden. Um die Vorteile nutzen zu können, die Plattformen mit einer großen Community bieten, ist es nicht sinnvoll eigene vergleichbare Plattformen aufzubauen. Beispiele für Ministerien, die bereits Web 2.0-Plattformen und -Anwendungen einsetzen sind zum Beispiel:

Da die meisten eingesetzten Dienste nicht barrierefrei sind, wird dieses Thema in der Begründung der BITV 2.0 zu § 3 Anzuwendende Standards, Absatz 1 aufgegriffen:

"Bei der Verwendung nicht barrierefreier Technologien sind diese zu ersetzen, sobald auf Grund der technischen Entwicklung gleichwertige zugängliche Lösungen verfügbar und einsetzbar sind. Dabei soll auf die Anbieter solcher Technologien und Plattformen eingewirkt werden, diese zukünftig barrierefrei zu realisieren.Sind solche Dienste und Plattformen nicht verfügbar, sind diejenigen Dienste und Plattformen auszuwählen, die den derzeit höchstmöglichen Standard der Barrierefreiheit gewährleisten.Kann für die Darstellung der Angebote der Behörden nur eine nicht barrierefreie Plattform bzw. ein nicht barrierefreier Dienst genutzt werden, ist ein alternatives barrierefreies Angebot mit gleichwertigen Funktionalitäten und Informationen von gleicher Aktualität bereitzustellen."

Die Nutzung dieser Dienste ist also ausdrücklich erlaubt. Wichtig ist, dass der Dienst oder die Plattform ausgewählt wird, die die größtmögliche Barrierefreiheit bietet. Diese Entscheidung sollte regelmäßig überprüft werden, da sich zum einen die Barrierefreiheit des ausgewählten Angebots verschlechtern kann und zum anderen ständig neue Anbieter hinzukommen können.

Sind in den Angeboten erhebliche Barrieren vorhanden, sollte auf jeden Fall auf die Anbieter eingewirkt werden, Barrierefreiheit herzustellen. Hierzu kann zum Beispiel auch eine Barrieremeldung an die Meldestelle für digitale Barrieren erfolgen, die diesen Prozess unterstützt.

"alternatives barrierefreies Angebot mit gleichwertigen Funktionalitäten und Informationen von gleicher Aktualität"

konforme Alternativversion

Umsetzungsfristen

Da das Thema "Barrierefreiheit" mit der BITV 1.0 erstmals gesetzlich für den Bund geregelt worden ist, sind die Umsetzungsfristen der BITV 1.0 entsprechend lang gesetzt gewesen. So hatten die Behörden ausreichend Zeit sich in das neue Thema einzuarbeiten und die bestehenden Angebote mit möglichst geringem Aufwand und Kosten im Rahmen der regelmäßig stattfindenden Überarbeitungen der Angebote anzupassen.

Alle Angebote des Bundes müssen spätestens seit dem 31.12.2005 die Anforderungen und Bedingungen der BITV 1.0 erfüllen. Die Erfüllung der BITV 2.0 wird dadurch deutlich weniger Aufwand erfordern als die Umsetzung der BITV 1.0. Die Umsetzungsfristen der BITV 2.0 sind aufgrund dieser Ausgangslage deutlich kürzer gewählt als in der BITV 1.0. Ausgenommen von dieser Regelung sind lediglich die geforderten Angebote in Deutscher Gebärdensprache und Leichter Sprache, die in § 2 Anzuwendende Standards, Absatz 2 und Anlage 2 der BITV 2.0 geregelt sind. Für die Umsetzung dieser neuen Forderungen ist mehr Zeit eingeplant worden, damit u.a. zunächst Umsetzungshilfen entwickelt und zur Verfügung gestellt werden können.

Die Umsetzungsfristen im Einzelnen:

Grafische Darstellung der Umsetzungsfristen für bestehende wenig veränderte Webseiten

Angebote, die bereits vor dem Stichtag (22.03.2012) veröffentlicht worden sind und nur wenig verändert werden, müssen die BITV 2.0 Anlage 1 erst 12 Monate nach Inkrafttreten der Verordnung erfüllen, also spätestens am 22.09.2012. Bis zu diesem Zeitpunkt müssen die Angebote die Anforderungen und Bedingungen der BITV 1.0 erfüllen. Dies gilt für öffentlich zugängliche Intranet- und Internetangebote. Hierzu zählen zum Beispiel Archivseiten oder Angebote die überwiegend statische Informationen enthalten und nur gelegentlich um aktuelle Informationen ergänzt werden. Anlage 2 der BITV 2.0, Gebärdensprache und Leichte Sprache, muss erst 30 Monate nach Inkrafttreten der Verordnung erfüllt werden, also spätestens ab dem 22.03.2014.

Grafische Darstellung der Umsetzungsfristen für bestehende stark veränderte Webseiten

Angebote, die vor dem Stichtag (22.03.2012) veröffentlicht worden sind und stark verändert werden, müssen bereits für Teile des Angebots die BITV 2.0 früher erfüllen: Die innerhalb des bestehenden Angebots neu gestalteten Teile müssen die BITV 2.0 sofort erfüllen. Zusätzlich muss ein Zugangspfad von der Startseite des Angebots aus zu diesem neu gestalteten Teil ebenfalls sofort die BITV 2.0 erfüllen.

Der weitgehend unveränderte Teil des Angebots, muss erst 12 Monate nach Inkrafttreten der Verordnung barrierefrei gestaltet sein. Die Verpflichtung Anlage 2 der BITV 2.0 zu erfüllen bleibt unberührt und muss erst 30 Monate nach Inkrafttreten der Verordnung erfüllt werden, also spätestens ab dem 22.03.2014. Anlage 2 muss nicht von Programmoberflächen erfüllt werden.

Grafische Darstellung der Umsetzungsfristen für neue oder nach dem Stichtag stark veränderte Webseiten

Nach dem Stichtag stark veränderte oder neu gestaltete Web- und öffentliche Intranetangebote müssen die BITV 2.0 Anlage 1 spätestens 6 Monate nach Inkrafttreten der Verordnung erfüllen. Für Anlage 2 gilt die spätere Frist, die erst 30 Monate nach Inkrafttreten der Verordnung abläuft.

Grafische Darstellung der Umsetzungsfristen für neue oder nach dem Stichtag stark veränderte Programmoberflächen

Für neu gestaltete oder nach dem Stichtag stark veränderte grafische Programmoberflächen gelten die gleichen Umsetzungsfristen mit einer Ausnahme: Die Anforderungen der Anlage 2 der BITV 2.0 müssen in diesem Fall nicht erfüllt werden.

Zu beachten bei Umstellung von BITV 1.0 zu BITV 2.0

Eine häufig gestellte Frage im Zusammenhang mit der neuen Verordnung ist die, "wie viel Aufwand mit der Umstellung eines Web-Angebots von BITV 1.0 auf BITV 2.0 verbunden ist?". Da die BITV 2.0 eng an die internationalen Richtlinien WCAG 2.0 des World Wide Web Consortiums (W3C) angelehnt sind, kann hier die Antwort des W3C bzw. der zuständigen Arbeitsgruppe, der "Web Accessibility Initiative (WAI)" gegeben werden:

"Angebote, die bereits die WCAG 1.0 erfüllen, benötigen nur wenige oder keine Änderungen, um die WCAG 2.0 zu erfüllen!"

Diese Antwort ist auf die BITV 1.0 und die BITV 2.0 Anlage 1 übertragbar. Zusätzlich muss die neue Anlage 2 der BITV 2.0 berücksichtigt werden, d.h. diese Anforderungen werden bisher von fast keinem Angebot erfüllt.

Eng damit verbunden ist die Frage, ob ein Web-Angebot gleichzeitig BITV 1.0 und BITV 2.0 erfüllen kann. Auch hierzu liefert die WAI eine Antwort:

Die WCAG 2.0 ist kompatibel mit WCAG 1.0, d.h.

  • Ein WCAG 1.0 konformes Angebot, das in Bezug auf die WCAG 2.0 aktualisiert wird, kann WCAG 1.0 und 2.0 erfüllen.
  • Ein WCAG 2.0 konformes Angebot erfüllt jedoch nicht automatisch die WCAG 1.0.

Auch diese Aussagen sind auf die BITV 1.0 und BITV 2.0 übertragbar. BITV 2.0 konforme Angebote müssen nicht unbedingt die BITV 1.0 erfüllen, da die BITV 2.0 mehr Gestaltungsfreiraum und eine freiere Wahl der eingesetzten Web-Technologien lässt als die BITV 1.0.

Vorgehen bei der Seitenauswahl

Wenn eine Reihenfolge festgelegt werden soll, in der die neue Verordnung auf Web-Angebote angewendet wird, sollte die folgende Reihenfolge bei der Überarbeitung der Angebote gewählt werden:

  1. Neue vollständige Angebote
  2. Neue Seiten eines bestehenden Angebots
  3. Die zentralen, am häufigsten besuchten Seiten eines Angebots (z.B. Startseite, Suche, Sitemap, Kontakt, Aktuelles)
  4. Alle anderen Seiten des Angebots (keine Ausnahmen für Archive, alte Dokumente o.ä.)

Diese Reihenfolge entspricht auch den Umsetzungsfristen der BITV 2.0, die entsprechend schrittweise gestaltet sind.

Zusätzlich sollten Aspekte geprüft werden, die vom eingesetzten autorenunterstützenden System abhängig sind. Zum Beispiel, ob innerhalb von Vorlagen auf denen die Seiten basieren Anpassungen notwendig sind. So können durch kleine Änderungen bereits Auswirkungen auf allen oder zumindest vielen Seiten eines Angebots erzielt werden. Auch die eingesetzten Technologien sollten in Bezug darauf, ob sie in einer die "Barrierefreiheit unterstützenden Art und Weise" eingesetzt werden können, überprüft werden. Werden Inhalte von Dritten erstellt, sollten auch die Bedingungen für die Auftragsvergabe an die neue Verordnung angepasst werden.

Kriterien

Das vom W3C empfohlene Vorgehen bei der Anpassung von Webseiten in Bezug auf die Kriterien, ist auf die BITV 2.0 übertragbar und ist hier daher kurz wiedergegeben.

Anwendbare Kriterien

Prüfen, welche der auf der Seite anwendbaren und von der Seite erfüllten BITV 1.0 Kriterien, in der BITV 2.0 entsprechende Anforderungen besitzen:

  1. Erfüllt die Seite bereits BITV 2.0 Anforderungen, die vergleichbar mit BITV 1.0 Anforderungen sind?

    • Beispiel: Einsatz von Farbe

      • BITV 1.0 Anlage 1, Bedingung 2.1: Alle mit Farbe dargestellten Informationen müssen auch ohne Farbe verfügbar sein, z.B. durch den Kontext oder die hierfür vorgesehenen Elemente der verwendeten Markup-Sprache.
      • BITV 2.0 Anlage 1, Bedingung 1.4.1 Farbe: Farbe ist nicht als einziges Mittel zu verwenden, um Informationen zu übermitteln, eine Aktion anzuzeigen, eine Reaktion zu veranlassen oder ein visuelles Element zu kennzeichnen.
    • Lediglich die Formulierung ist verändert und allgemeiner formuliert worden.
  2. Gibt es Anforderungen in der BITV 1.0, die die Seite nicht mehr erfüllen muss?

    • Beispiel: Nebeneinanderliegende Hyperlinks

      • BITV 1.0 Anlage 1, Bedingung 10.5: Nebeneinanderliegende Hyperlinks sind durch von Leerzeichen umgebene, druckbare Zeichen zu trennen.
      • BITV 2.0 Technikdokumente: Empfohlene Technik
    • Kann weiterhin so bleiben, wie es nach BITV 1.0 umgesetzt worden ist, es ist keine Änderung erforderlich.
  3. Gibt es Anforderungen, die die Seite in der BITV 1.0 nicht erfüllt hat, die jedoch jetzt nach BITV 2.0 erfüllt sind?

    • Beispiel Bewegung

      • BITV 1.0 Anlage 1, Bedingung 7.3: Bewegung in mittels Markup-Sprachen geschaffener Dokumente ist entweder zu vermeiden oder es sind Mechanismen bereitzustellen, die der Nutzerin, dem Nutzer das Einfrieren der Bewegung oder die Änderung des Inhalts ermöglichen.
      • BITV 2.0 Anlage 1, Bedingung 2.2.2 Anhalten, beenden, ausblenden (offener formuliert)
    • Dieser Fall sollte nicht auftreten, da alle Angebote des Bundes bereits BITV 1.0 erfüllen.
  4. Werden die, in der BITV 2.0 präziser formulierten Anforderungen erfüllt?

    • Beispiel: Kontrast

      • BITV 1.0 Bedingung 2.2/3: Bilder/Texte sind so zu gestalten, dass die Kombinationen aus Vordergrund- und Hintergrundfarbe auf einem Schwarz-Weiß-Bildschirm und bei der Betrachtung durch Menschen mit Farbfehlsichtigkeiten ausreichend kontrastieren.
      • BITV 2.0 Bedingung 1.4.3 (Nennung konkreter Kontrastverhältnisse für kleine und große Schrift)
    • Möglicherweise muss die Farbwahl angepasst werden, falls die bisherigen Werte nah an den in Testverfahren verbreiteten Grenzwerten lagen.

Neue Kriterien

Prüfen, welche BITV 2.0 Anforderungen neu hinzugekommen sind

  1. Welche neuen Anforderungen sind bereits auf der Seite umgesetzt?

    • Beispiel: "BITV 2.0, Bedingung 1.3.3 Sensorische Merkmale" war bisher kein direktes Kriterium, sondern kam nur teilweise in anderen BITV 1.0 Bedingungen vor (Ohne Farbe nutzbar, ohne Stylesheets nutzbar usw.)
  2. Welche neuen Anforderungen sind noch nicht auf der Seite umgesetzt?

    • Beispiel: Fehleridentifizierung (Formulare),
    • Beispiel: BITV 2.0 Anlage 2 und § 3 Absatz 2.

Konsequenzen der grundlegenden Konzepte

Die bereits vorgestellten Konzepte "Barrierefreiheit unterstützend" und "konforme Alternativversion" haben ebenfalls Auswirkungen auf die Umstellung eines BITV 1.0 konformen Angebots auf die BITV 2.0. Zum Beispiel die häufig in Web-Angeboten vorkommenden PDF-Dokumente müssen jetzt direkt zugänglich gestaltet werden. Eine Alternative ist nicht zulässig, da es möglich ist ein PDF-Dokument weitgehend barrierefrei zu gestalten. Auch im Angebot eingesetztes JavaScript muss zugänglich gestaltet sein, sofern es möglich ist, die eingesetzte Funktionalität auf eine die "Barrierefreiheit unterstützende" Art und Weise einzusetzen. Das gleiche gilt für andere eingesetzte Web-Technologien im Angebot. Wird an einer Stelle mit einer Alternativversion gearbeitet, muss geprüft werden, ob der Einsatz nach BITV 2.0 noch zulässig ist. Falls ja, muss die Alternative den Bedingungen einer "konformen Alternativversion" entsprechen.

Quellen und weiterführende Informationen

© Bundesministerium für Arbeit und Soziales