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Das Konzept der WCAG 2.0 und der BITV 2.0

Hintergrund

Die Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung (BITV) 2.0 basiert auf einer internationalen Empfehlung, den "Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.0" oder in der deutschen Übersetzung "Richtlinien für barrierefreie Webinhalte (WCAG) 2.0". Diese Richtlinien legen fest, wie unterschiedliche Web-Inhalte gestaltet sein müssen, damit sie für Menschen mit Behinderungen barrierefrei nutzbar sind.

Die erste Version der WCAG ist bereits 1999 veröffentlicht worden und war Grundlage für die erste deutsche Verordnung zur Barrierefreien Informationstechnik. Die Ende 2008 veröffentlichte 2. Version der internationalen Empfehlung war die Grundlage für die 2011 in Deutschland in Kraft getretene "Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung (BITV) 2.0".

Die Überarbeitung der internationalen Empfehlung, die schon früh nach der ersten Veröffentlichung begonnen wurde, hat relativ viel Zeit in Anspruch genommen. Ursache dafür war, dass man nicht nur Anforderungen an veraltete Web-Technologien durch aktuelle Technologien ersetzen wollte, sondern einen Weg gesucht hat, die Richtlinien möglichst Technologie-unabhängig zu formulieren.

Mit den WCAG 2.0 hat die zuständige Arbeitsgruppe der "Web Accessibility Initiative (WAI)" dies erfolgreich umgesetzt. Dieser Ansatz der Technologie-unabhängigen Formulierungen ist vollständig in die BITV 2.0 übernommen worden.

Gleichzeitig hat man bei der Überarbeitung der WCAG Wert auf eine verständliche Formulierung gelegt. Die Kriterien sollten gut und möglichst eindeutig testbar sein.

Aufbau der Standards

Der Aufbau der WCAG 2.0 ist in die BITV 2.0 übernommen worden. Statt der Begriffe der englischen Richtlinie sind die bereits in Deutschland besser bekannten Begriffe der ersten BITV weiter verwendet worden. Der Aufbau der beiden Standards sowie die Unterschiede der Bezeichnungen sind in der folgenden Abbildung dargestellt

Aufbau der Standards WCAG 2.0 und BITV 2.0 in Form eines Diagramms mit den jeweils verwendeten Begriffen im direkten Vergleich Aufbau der Standards WCAG 2.0 und BITV 2.0 in Form eines Diagramms mit den jeweils verwendeten Begriffen im direkten Vergleich

Aufbau der Standards WCAG 2.0 und BITV 2.0 im Vergleich

Beide Standards, BITV 2.0 und WCAG 2.0, bestehen aus 4 globalen Prinzipien. Diese werden in der BITV 2.0 durch jeweils unterschiedliche Anzahl allgemein formulierter Anforderungen bzw. in den WCAG 2.0 durch Richtlinien genauer beschrieben. Die Anforderungen wiederum werden durch testbare Bedingungen bzw. in den WCAG 2.0 durch Erfolgskriterien konkretisiert. Die verschiedenen Ebenen ermöglichen es, auf die unterschiedlichen Erwartungen und Bedürfnisse der Zielgruppen einzugehen.

Bis zu dieser Ebene sind beide Standards Technologie-unabhängig formuliert. Der Bezug zu einzelnen Web-Technologien wird erst in den darunterliegenden Technik-Dokumenten ("Techniques") hergestellt. Sie umfassen ausreichende und empfohlene Techniken, sowie eine Dokumentation verbreiteter Fehler mit zahlreichen Beispielen, weiterführenden Verweisen und Quelltextauszügen. Diese Dokumente sind in den WCAG 2.0 nur dazugehörige, ergänzende aber nicht-normative Dokumentationen. In die BITV 2.0 sind sie daher nicht aufgenommen worden. Ein Verweis zu den Technik-Dokumenten der WCAG 2.0 wird jedoch hergestellt, da sie für die Web-Entwicklung und die Einhaltung der Standards eine wichtige Unterstützung darstellen. Das Techniken-Dokument wird regelmäßig überarbeitet und ergänzt, um mit den neuesten Entwicklungen des barrierefreien Webdesigns Schritt zu halten.

Grundlegende Konzepte

Um die einzelnen Anforderungen und Bedingungen der Verordnung besser verstehen zu können, ist es wichtig die zugrunde liegenden Konzepte und verwendeten Begriffe zu kennen. Zwei neue Konzepte der BITV 2.0 werden im Folgenden vorgestellt.

Barrierefreiheit unterstützend

Damit neue Web-Technologien möglichst schnell und unkompliziert eingesetzt werden können, gibt es in der BITV 2.0 das Konzept eine Technik "Barrierefreiheit unterstützend" einzusetzen. Dieser Begriff stammt ursprünglich aus den internationalen Richtlinien WCAG 2.0. Entsprechend ausführliche Erläuterungen sind daher dort zu finden, eine verkürzte Erläuterung findet sich auch in der Begründung der BITV 2.0.

In der Begründung der BITV 2.0 lautet die Erklärung:

"Barrierefreiheit unterstützend sind Angebote, die sowohl von den assistiven Technologien der Nutzerinnen und Nutzer als auch von den Barrierefreiheitsfunktionen in Browsern und anderen Benutzeragenten unterstützt werden."

Eine Web-Technik oder neue Web-Technologie kann auch eingesetzt werden, wenn sie noch nicht vollständig "Barrierefreiheit unterstützend" ist. Wichtig ist, dass die verwendete Funktionalität, also die auf der Webseite oder in der Web-Anwendung eingesetzte konkrete Technik "Barrierefreiheit unterstützend" ist und damit von allen Personen genutzt werden kann.

Weiterführende Erklärungen des Konzepts:

Konforme Alternativversion

Falls aus bestimmten Gründen eine Web-Technologie verwendet werden soll, die nicht in einer die Barrierefreiheit unterstützenden Art und Weise eingesetzt werden kann, muss eine konforme Alternativversion zur Verfügung stehen. Diese Alternativversion muss mehrere Bedingungen erfüllen, die in der Begründung der BITV 2.0 erläutert werden.

In der Begründung der BITV 2.0 heißt es:

"Eine konforme Alternativversion ist eine Version, die mit der angegebenen Konformitätsstufe übereinstimmt und die gleichen Informationen und Funktionalitäten in der gleichen natürlichen Sprache bereitstellt und genauso aktuell ist wie der nicht-konforme Inhalt [...]"

Zusätzlich muss gewährleistet sein, dass die konforme Alternativversion barrierefrei erreichbar ist. Dies kann auf unterschiedlichen Wegen realisiert werden.

Wichtig ist, dass die konforme Alternativversion genau das gleiche leisten muss wie die nicht konforme Seite. Es wäre also nicht ausreichend, hier weniger Funktionalitäten oder gekürzte Inhalte anzubieten. Gründe für den Einsatz einer konformen Alternativversion könnten sein, dass ein Dokument urheberrechtlich geschützt ist und nicht verändert werden darf oder der Einsatz einer bestimmten neuen Web-Technologie Vorteile für eine bestimmte Nutzergruppe bietet und die Unterstützung durch assistive Technologie bereits absehbar ist.

Es sollte immer sorgfältig geprüft werden, ob der erhöhte Aufwand, der durch die Pflege von Alternativversionen entsteht, gerechtfertigt ist oder besser direkt Barrierefreiheit unterstützende Techniken eingesetzt werden. Der Einsatz einer konformen Alternativversion ist aufgrund der zur Verfügung stehenden "Barrierefreiheit unterstützenden Web-Technologien" nur in wenigen Ausnahmefällen gerechtfertigt.

Weiterführende Erklärungen des Konzepts:

© Bundesministerium für Arbeit und Soziales