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Internationale Richtlinien

WCAG

Um das World Wide Web zu seiner vollen Entfaltung zu führen, wurde 1994 das World Wide Web Consortium (W3C) gegründet, ein internationales Konsortium bestehend aus verschiedenen Mitgliedsorganisationen. Das W3C entwickelt einheitlicW3C) gegründet, ein internationales Konsortium bestehend aus verschiedenen Mitgliedsorganisationen. Das W3C entwickelt einheitliche Protokolle, die den Fortschritt des Webs fördern und die Interoperabilität sicherstellen sollen. Für einzelne Bereiche und Aufgaben innerhalb des Konsortiums gibt es verschiedene Koordinierungsgruppen. Eine dieser Koordinierungsgruppen, die 1997 vom W3he Protokolle, die den Fortschritt des Webs fördern und die Interoperabilität sicherstellen sollen. Für einzelne Bereiche und Aufgaben innerhalb des Konsortiums gibt es verschiedene Koordinierungsgruppen. Eine dieser Koordinierungsgruppen, die 1997 vom W3C ins Leben gerufene "Web Accessibility Initiative (WAI)", ist innerhalb des W3C zuständig für alle Fragen rund um die Zugänglichkeit. Die WAI veröffentlichte 1999 die erste Version der "Richtlinien für barrierefreie Webinhalte". Zum ersten Mal wurde versucht die von verschiedenen Autoren veröffentlichten Anleitungen und Richtlinien zur Zugänglichkeit von Webinhalten zu vereinheitlichen.

Diese Richtlinien wurden inzwischen von vielen Staaten als technische Grundlage für barrierefreie Webinhalte anerkannt und in der Gesetzgebung verankert. Zur Vermeidung von Benachteiligung setzten die USA mit dem "Rehabilitation Act Amendments of 1998, Section 508" als erster Staat die Forderung nach allgemeiner Zugänglichkeit von Informationstechnologien von Institutionen der öffentlichen Hand in ein Gesetz um. Gleichzeitig wurden in der "Section 508" verschiedene Standards festgelegt. Der Standard für webbasierte Inhalte (Section 508, § 1194.22 Web-based intranet and internet information and applications) basiert auf den damaligen Entwürfen von WAI. Zwischenzeitlich wurde eine Aktualisierung der Section 508 angestoßen.

Ein detaillierter Überblick bezüglich WCAG und "Section 508" ist auch im Artikel "Barrierefreie Software" enthalten.

Die erste Version der "Richtlinien für barrierefreie Webinhalte" (WCAG 1.0) bezog sich noch stark auf bestimmte HTML-Anwendungsfälle. In der zweiten Version der "Richtlinien für barrierefreie Webinhalte" (WCAG 2.0) wurde versucht diese Richtlinien selbst zunächst technikunabhängig zu beschreiben und auf bestimmte Techniken bezogene Probleme und deren Lösungen in ergänzenden Dokumenten darzulegen (Understanding WCAG 2.0, How to Meet WCAG 2.0, Techniques for WCAG 2.0). Prinzipien und Konzept der WCAG-Richtlinien sind in den beiden nachfolgenden Abschnitten näher beschrieben.

Die "Richtlinien für barrierefreie Webinhalte" (WCAG) werden ergänzt durch zwei weitere Richtlinien, welche andere Komponenten im Zusammenspiel mit technischen Spezifikationen des W3C abdecken (vgl.: Essential Components of Web Accessibility):

Unter Autorensystemen werden jegliche Anwendungen verstanden, mit denen Autoren Webinhalte für Endanwender produzieren können. Dies sind zum Beispiel jegliche HTML-Editoren oder Programme mit denen Inhalte als HTML gespeichert werden können. Weitere Beispiele für Autorensysteme sind Programme, mit denen Teile von Webseiten geändert werden können wie Blogs, Wikis und Online Foren. Auch Programme oder Anwendungen zur Verwaltung größerer Webauftritte wie zum Beispiel Content-Management-Systeme oder E-Learning-Umgebungen sind Autorensysteme. Die Zugänglichkeitsrichtlinien für Autorensysteme sind in zwei Teilbereiche gegliedert. Im ersten Teil sind Anforderungen beschrieben, die notwendig sind, damit Menschen mit Behinderungen das Autorensystem als Autor nutzen können. Im zweiten Teil sind Anforderungen beschrieben, die notwendig sind, damit Autoren bei der Erstellung zugänglicher Webinhalte unterstützt werden.

Unter Benutzeragenten werden Programme verstanden, welche Webinhalte abrufen und darstellen können. Dies sind zum Beispiel Browser, Media-Player und Plug-Ins. Unterstützungstechnologien (manchmal auch assistive Technologie genannt) wie zum Beispiel Vergrößerungs- oder Vorleseprogramme, die das Aufrufen und Darstellen von Webinhalten unterstützen helfen, sind ebenfalls Benutzeragenten.

Beide Richtlinien befinden sich gegenwärtig in Überarbeitung:

Zugänglichkeit auf europäischer Ebene

Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union haben sich verpflichtet Anti-Diskriminierung in ihrer Gesetzgebung festzuschreiben. Zum Zeitpunkt dieser Verpflichtung lagen die Ergänzungen im deutschen Grundgesetz bereits vor.

Der europäische Rat von Lissabon forderte bereits am 14.06.2000 in Bezug auf eine Informationsgesellschaft für alle:

"Die Web-Seiten des öffentlichen Sektors und ihr Inhalt müssen in den Mitgliedstaaten und in den europäischen Institutionen so angelegt sein, dass behinderte Bürger und Bürgerinnen die Informationen erreichen und voll von den Möglichkeiten der "Regierung am Netz" profitieren können."

(Aus: eEurope Aktionsplan 2002 (PDF))

Hierzu empfahl die Europäische Kommission den Mitgliedstaaten die "Richtlinien für barrierefreie Webinhalte" der Web Accessibility Initiative (WAI) möglichst in ihre jeweilige Gesetzgebung zu übernehmen. In Deutschland ist dies durch die BITV in ihrer ersten Fassung erfolgt.

Im darauf folgenden Aktionsplan (eEurope 2005: Eine Informationsgesellschaft für alle (PDF)) stand unter anderem die Förderung öffentlicher elektronischer Behördendienste (E-Government) im Vordergrund. Außerdem sollten Dienste für elektronisches Lernen, Online-Gesundheitsfürsorgedienste und ein dynamisches Umfeld für den elektronischen Geschäftsverkehr gefördert werden. Neben diesen interaktiven Diensten sollten die Mitgliedstaaten einen bedeutenden Teil aller öffentlichen Beschaffungsmaßnahmen elektronisch durchführen. Das Thema "Zugänglichkeit" tauchte im zweiten Aktionsplan eher am Rande auf.

Die integrationsfördernde Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien rückte mit der "eAccessibility-Mitteilung (PDF)" der Kommission im September 2005 wieder stärker in den Vordergrund und wurde im nächsten Aktionsplan wieder ein zentrales Thema (i2010 – Eine europäische Informationsgesellschaft für Wachstum und Beschäftigung (PDF)). Neben der Förderung von interaktiven Diensten und Interoperabilität wurde im Rahmen der i2010-Initiative ein E-Government-Aktionsplan zur beschleunigten Einführung elektronischer Behördendienste in Europa zum Nutzen aller erstellt. Eine Auswirkungseinschätzung der bisherigen i2010-Initiative zur Teilhabe von Menschen mit Behinderungen (European i2010 initiative on e-Inclusion, "To be part of the information society", Impact Assessment (PDF)) fiel allerdings sehr ernüchternd aus: nur 5 % der öffentlichen Internetseiten aller 27 Mitgliedsländer entsprächen den minimalen Anforderungen für Webzugänglichkeit.

Daher ist die Zugänglichkeit von Informationstechnologien im gegenwärtigen Aktionsplan Eine Digitale Agenda für Europa nach wie vor stark im Vordergrund. Als Aktionen werden unter anderem vorgeschlagen:

  • systematische Bewertung der Barrierefreiheit in überarbeiteten Rechtsvorschriften im Rahmen der Digitalen Agenda, z. B. beim elektronischen Handel, der elektronischen Identität und der elektronischen Signatur, gemäß dem "Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen"
  • auf der Grundlage einer Prüfung verschiedener Optionen bis 2011: Vorlage von Vorschlägen, mit denen sichergestellt wird, dass Internetseiten des öffentlichen Sektors (und solche, die grundlegende Dienstleistungen für Bürger bereitstellen) ab spätestens 2015 vollkommen barrierefrei sind
  • bis 2012 in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten und Beteiligten: Förderung des Zustandekommens einer Vereinbarung über den digitalen Zugang für Menschen mit Behinderungen im Einklang mit dem Übereinkommen der Vereinten Nationen

Das erneute Bekenntnis zu Zugänglichkeit ist auch Bestandteil der aktuellen europäischen Strategie zum Thema Behinderung "Europäische Strategie zugunsten von Menschen mit Behinderungen 2010-2020" (European Disability Strategy 2010-2020).

Mandat 376

Die Europäische Kommission hatte ihren Mitgliedstaaten empfohlen für Internetseiten des öffentlichen Sektors die "Richtlinien für barrierefreie Webinhalte (WCAG)" der "Web Accessibility Initiative (WAI)" in ihrer jeweiligen Gesetzgebung festzuschreiben. Dies haben auch alle Mitgliedstaaten umgesetzt. Dennoch gibt es hier deutliche Abweichungen zwischen den einzelnen Ländern. In wenigen Ländern gilt die komplette WCAG, in manchen Ländern gilt nur WCAG-Konformitätsstufe A. Im Bereich der Informationstechnik gibt es für Nicht-Webinhalte bisher keine gemeinsamen Vorgaben. Zugänglichkeit wird auch bei öffentlichen Beschaffungsmaßnahmen innerhalb der Europäischen Union bisher ebenfalls unterschiedlich berücksichtigt. Unterschiedliche Regeln zur Zugänglichkeit stehen einem einheitlichen wettbewerbsfähigen Binnenmarkt innerhalb Europas entgegen. Mit verschiedenen Aktionen sollen die noch bestehenden Mängel beseitigt werden.

Die Europäische Kommission hat die drei europäischen Standardisierungsorganisationen CEN (Europäisches Komitee für Normung), CENELEC (Europäisches Komitee für elektrotechnische Standardisierung) und ETSI (europäisches Institut für Telekommunikationsnormen) beauftragt öffentliche Beschaffungsmaßnahmen von zugänglichen Produkten und Diensten im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien zu harmonisieren und zu unterstützen. Im Rahmen dieses Auftrags (European Accessibility Requirements for Public Procurement of Products and Services in the ICT Domain, European Commission Standardization Mandate M 376) sollen zunächst verschiedene Zugänglichkeitsanforderungen für öffentliche Beschaffungsmaßnahmen bestimmt werden. Erste Entwürfe für Zugänglichkeitsanforderungen für öffentliche Beschaffungen von Produkten und Diensten im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie liegen bereits vor (Draft EN "European accessibility requirements for public procurement of ICT products and services" (ZIP)). In einem weiteren Schritt sollen verschiedene Online-Werkzeuge für die öffentlichen Verwaltungen bereit gestellt werden. Diese sollen im Rahmen des normalen Beschaffungsprozesses weitere Unterstützung bieten.

Vereinte Nationen

Am 13. Dezember 2006 hatten die Vereinten Nationen die UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen verabschiedet. Die Bundesrepublik Deutschland hat diese Konvention am 30. März 2007 in New York unterzeichnet.

Die Vertragsstaaten dieses Übereinkommens verpflichten sich die volle und gleichberechtigte Ausübung aller Menschenrechte und Grundfreiheiten durch alle behinderten Menschen zu fördern, zu schützen und zu gewährleisten und die Achtung ihrer angeborenen Würde zu fördern. Die Konvention enthält auch einen Passus zur Barrierefreiheit allgemein (Artikel 9, Zugänglichkeit) und zum Recht auf Zugang zu Informationen (Artikel 21, Recht der freien Meinungsäußerung, Meinungsfreiheit und Zugang zu Informationen). Beide Artikel sind nachfolgend dargestellt.

"Artikel 9: Zugänglichkeit

Um Menschen mit Behinderungen eine unabhängige Lebensführung und die volle Teilhabe in allen Lebensbereichen zu ermöglichen, treffen die Vertragsstaaten geeignete Maßnahmen mit dem Ziel, für Menschen mit Behinderungen den gleichberechtigten Zugang zur physischen Umwelt, zu Transportmitteln, Information und Kommunikation, einschließlich Informations- und Kommunikationstechnologien und -systemen, sowie zu anderen Einrichtungen und Diensten, die der Öffentlichkeit in städtischen und ländlichen Gebieten offenstehen oder für sie bereitgestellt werden, zu gewährleisten. Diese Maßnahmen, welche die Feststellung und Beseitigung von Zugangshindernissen und -barrieren einschließen, gelten unter anderem für

Gebäude, Straßen, Transportmittel sowie andere Einrichtungen in Gebäuden und im Freien, einschließlich Schulen, Wohnhäusern, medizinischer Einrichtungen und Arbeitsstätten;

Informations-, Kommunikations- und andere Dienste, einschließlich elektronischer Dienste und Notdienste.

Die Vertragsstaaten treffen außerdem geeignete Maßnahmen,

um Mindeststandards und Leitlinien für die Zugänglichkeit von Einrichtungen und Diensten, die der Öffentlichkeit offenstehen oder für sie bereitgestellt werden, auszuarbeiten und zu erlassen und ihre Anwendung zu überwachen;

um sicherzustellen, dass private Rechtsträger, die Einrichtungen und Dienste, die der Öffentlichkeit offenstehen oder für sie bereitgestellt werden, anbieten, alle Aspekte der Zugänglichkeit für Menschen mit Behinderungen berücksichtigen;

um betroffenen Kreisen Schulungen zu Fragen der Zugänglichkeit für Menschen mit Behinderungen anzubieten;

um in Gebäuden und anderen Einrichtungen, die der Öffentlichkeit offenstehen, Beschilderungen in Brailleschrift und in leicht lesbarer und verständlicher Form anzubringen;

um menschliche und tierische Hilfe sowie Mittelspersonen, unter anderem Personen zum Führen und Vorlesen sowie professionelle Gebärdensprachdolmetscher und -dolmetscherinnen, zur Verfügung zu stellen mit dem Ziel, den Zugang zu Gebäuden und anderen Einrichtungen, die der Öffentlichkeit offenstehen, zu erleichtern;

um andere geeignete Formen der Hilfe und Unterstützung für Menschen mit Behinderungen zu fördern, damit ihr Zugang zu Informationen gewährleistet wird;

um den Zugang von Menschen mit Behinderungen zu den neuen Informations- und Kommunikationstechnologien und -systemen, einschließlich des Internets, zu fördern;

um die Gestaltung, die Entwicklung, die Herstellung und den Vertrieb zugänglicher Informations- und Kommunikationstechnologien und -systeme in einem frühen Stadium zu fördern, sodass deren Zugänglichkeit mit möglichst geringem Kostenaufwand erreicht wird."

"Artikel 21, Recht der freien Meinungsäußerung, Meinungsfreiheit und Zugang zu Informationen

Die Vertragsstaaten treffen alle geeigneten Maßnahmen, um zu gewährleisten, dass Menschen mit Behinderungen das Recht auf freie Meinungsäußerung und Meinungsfreiheit, einschließlich der Freiheit, Informationen und Gedankengut sich zu beschaffen, zu empfangen und weiterzugeben, gleichberechtigt mit anderen und durch alle von ihnen gewählten Formen der Kommunikation im Sinne des Artikels 2 ausüben können, unter anderem indem sie

Menschen mit Behinderungen für die Allgemeinheit bestimmte Informationen rechtzeitig und ohne zusätzliche Kosten in zugänglichen Formaten und Technologien, die für unterschiedliche Arten der Behinderung geeignet sind, zur Verfügung stellen;

im Umgang mit Behörden die Verwendung von Gebärdensprachen, Brailleschrift, ergänzenden und alternativen Kommunikationsformen und allen sonstigen selbst gewählten zugänglichen Mitteln, Formen und Formaten der Kommunikation durch Menschen mit Behinderungen akzeptieren und erleichtern;

private Rechtsträger, die, einschließlich durch das Internet, Dienste für die Allgemeinheit anbieten, dringend dazu auffordern, Informationen und Dienstleistungen in Formaten zur Verfügung zu stellen, die für Menschen mit Behinderungen zugänglich und nutzbar sind;

die Massenmedien, einschließlich der Anbieter von Informationen über das Internet, dazu auffordern, ihre Dienstleistungen für Menschen mit Behinderungen zugänglich zu gestalten;

die Verwendung von Gebärdensprachen anerkennen und fördern."

© Bundesministerium für Arbeit und Soziales